HOTELS MAG ICH NICHT

An ihren fünf Lieblingsorten bieten Robert Hollmann und seine Frau Petra Übernachtungsmöglichkeiten für Anspruchsvolle an. So unterschiedlich wie die Orte ist auch die Ausgestaltung der Unterbringung. Das Wort Hotel verwendet Hollmann dabei allerdings nie, denn Hotels mag er einfach nicht.
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Nachdem Robert seine aus Kärnten stammende Frau Petra kennengelernt hatte, verbrachte er immer mehr Zeit im Süden.
Foto: crazyhollmann.com

Manchmal müssen Menschen ein paar Berufe ausprobieren, bis sie zu ihrer wahren Berufung finden. Koch war er einmal, auch die Schauspielerei liegt mittlerweile zwei Jahrzehnte zurück. Seit 15 Jahren ist Robert Hollmann jetzt Hotelier – und das sehr erfolgreich. Dass er den Begriff Hotel nach wie vor ablehnt, ist dabei keine semantische Koketterie, sondern hat mit der prinzipiellen Infragestellung von manchen grundlegenden Imperativen des Beherbergungsgewerbes zu tun. Das hat sich schon im Jahr 2005 bei der Eröffnung der Bel-etage in der Wiener City gezeigt, bei der er auf die Bezeichnung Hotel ganz bewusst verzichtet hat. Nur keine falschen Erwartungshaltungen wecken, dann wundern sich die Gäste auch nicht darüber, dass ab 18 Uhr die Rezeption unbesetzt ist. Noch lange bevor Airbnb das Konzept des selbstständigen Ein- und Auscheckens zur Selbstverständlichkeit gemacht hat, war dies in Hollmanns Beletage schon üblich.

In Socken zum Frühstück

„Mir ging es damals nicht nur darum, Mitarbeiterkosten zu sparen. Ich wollte vor allem eine einzigartige Atmosphäre schaffen, bei der die Gäste das Gefühl bekommen, bei Freunden zu Gast zu sein. Das ultimative Kompliment ist für mich nach wie vor, wenn ein Gast in Socken zum Frühstück kommt“, umreißt Hollmann eine Überlegung, die bei seinem ersten Hotel eine wichtige Rolle gespielt hat. Ihm geht es vor allem darum, Atmosphären zu schaffen, in denen die Besonderheit des jeweiligen Ortes stimmungsvoll zum Ausdruck kommen.

Hollmann hatte das Modul besucht und als Koch gearbeitet, doch als er ins Projekt Beletage stolperte, war er ein Quereinsteiger. Hollmann hatte gerade eine durchaus erfolgreiche Karriere als Schauspieler in Deutschland abgebrochen und ist nach Wien zurückgekehrt, um ein Lokal aufzumachen. Auf der Suche nach einer passenden Location ist er über die Beletage in der Kölnerhofgasse gestolpert und hat sich auf Anhieb verliebt. Zimmervermietung? Wieso nicht! Bis dahin hatte er sich mit dem Thema Hotel eigentlich nur aus Gästesicht beschäftigt. „Ich habe die Aufenthalte in Hotels gehasst, weil dort mein Sinn fürs Schöne auf fast allen Ebenen ständig beleidigt wurde“, erinnert sich Hollmann frustriert an seine Theaterzeit, während der er sehr viele Nächte in nichtssagenden Hotels verbrachte.

Als kunstsinniger Ästhet musste er sich stets über belangloses oder – noch schlimmer – modisch aufdringliches Design ärgern. Außerdem störte ihn die mangelnde Materialqualität der Ausstattung – von Bett, Möbeln und Lampen bis zu den Stoffen. Am schlimmsten waren die Bäder. Frühstücksbuffets sind ihm bis heute ein Gräuel. „Ich habe damals erfreulicherweise einen guten Architekten und einen betriebswirtschaftlichen Berater gehabt, die meine Fantasien auf ihre reale Umsetzbarkeit gecheckt haben. Bei meinen grundlegenden Ideen musste ich erfreulicherweise keine Abstriche machen. Was mich besonders freut: Die Beletage ist heute noch genauso schön wie am ersten Tag, weil wirklich gute Architektur und gutes Design einfach zeitlos sind. Wenn die Materialien hochwertig sind, wird alles mit den Jahren sogar noch schöner“, so Hollmann. Dank eines jungen engagierten Teams lief die Beletage nach einiger Zeit auch ohne die Anwesenheit des Chefs, der sich ohnehin nie als jovialer Gastgeber, sondern vor allem als Gestalter gesehen hatte. Weil praktisch alle Magazine in Österreich, Deutschland und der Schweiz über das etwas andere Hotel in der Wiener City berichtet hatten, war und ist die Nachfrage nach den wenigen Zimmern dauerhaft hoch.

Das Leben unterm Mangobaum

Damals hatte Hollmann seinen Lebensmittelpunkt noch in Wien, doch nachdem er seine aus Kärnten stammende Frau Petra kennengelernt hatte, verbrachte er immer mehr Zeit in Süden. Zuerst in Klagenfurt, dann auch vier Jahre lang in Sri Lanka, wo sie gemeinsam das Underneath the Mango Tree („UTMT“) errichteten. Seine Frau hatte sich als Ärztin viel mit gesunder Ernährung, Yoga und asiatischen Philosophien beschäftigt und wollte mit ihrem Mann und den kleinen Kindern zumindest eine Zeitlang in Asien leben. Robert hatte ohnehin schon länger den Traum, ein gastliches Haus am Meer zu eröffnen. Statt Griechenland oder Italien wurde es Sri Lanka.

Nach zweijähriger Bauzeit konnten sie im Dezember 2013 die ersten Gäste empfangen. Zwei weitere Jahre blieben sie noch selbst vor Ort, um das Hotel zu managen und Kinderkrankheiten auszumerzen. „Das UTMT war ein wesentlich größeres und komplexeres Projekt als die Beletage, weil wir dort nicht nur Übernachtungsmöglichkeiten bieten, sondern auch selbst kochen, einen Spa betreiben und Ayurveda-Anwendungen anbieten. Außerdem ist die Leitung einer zweijährigen Großbaustelle eine besondere Herausforderung“, erinnert sich Hollmann trotzdem gerne an diese Zeit zurück. Robert und Pe-tra wären auch gerne länger als vier Jahre geblieben, aber sie wollten, dass die Kinder in Österreich zur Schule gehen.

Magische Orte schaffen

Es war aber wohl auch eine innere Unruhe, die Hollmann auf zu neuen Ufern trieb. Wieso er sich nicht als Berater für die Entwicklung von touristischen Immobilien-Projekten (Chalets oder Hotels) versucht hat, erklärt Hollmann scherzhaft so: „Ich liebe meine Freunde und Gäste, aber die Leut’ mag’ ich nicht.“ Mit anderen Worten: Hollmann sieht sich selbst nur bedingt kompromissfähig und will seine verrückten Ideen nicht vor Fremden rechtfertigen müssen. Bei seinen Projekten im eigenen Namen und auf eigene Rechnung muss er lediglich die Hausbank überzeugen, was durch den dauerhaften Erfolg der beiden Hotels in Wien und Sri Lanka nicht mehr so schwer war.

Auch wenn sie unter der gemeinsamen Dachmarke „Crazy Hollmann“ vermarktet werden, handelt es sich bei den drei nächsten Projekten nicht mehr um Hotels, sondern um mehr oder weniger betreute Wohneinheiten, die eine gemeinsame Klammer haben: Sie befinden sich an drei Sehnsuchtsorten von Robert Hollmann.

Auf der Insel – mitten in der Stadt

Kunst, Kultur und Kulinarik! Dass Paris für Robert Hollmann eine ganz besondere Stadt ist, liegt auf der Hand. Seit vier Jahren hat er dort jetzt auch eine Wohnung. Doch weil er mit seiner Familie nach wie vor in Klagenfurt lebt, teilt er seine Pariser Bleibe gerne gegen ein kleines Entgelt. „Leider sagen manche Gäste immer noch Apartment dazu. Für mich bleibt es eine Wohnung“, erklärt Hollmann. Bis zu sechs Personen finden Platz. Als Robert und Petra Hollmann vor fünf Jahren über die Ile Saint Louis schlenderten, fiel ihnen ein verfallenes, aber gleichzeitig wildromantisches kleines Häuschen auf. Und siehe da, es stand auch zum Verkauf. Der Preis war akzeptabel, überraschend hoch waren dann allerdings die Renovierungskosten. Egal – für Robert Hollmann gibt es keine halbe Sachen, und schließlich galt es ja, einen bleibenden Wert zu schaffen. In gewisser Weise funktioniert Hollmanns Pariser Wohnung nach dem Airbnb-Prinzip, nur bucht man direkt über die crazyhollmann-Website. Statt auf die Online-Bewertung durch vorherige Gäste zu vertrauen, steht Hollmann mit seinem guten Namen für die Güte der Wohnung gerade.

Toni Luki & Franzi

Als Nächstes stand ein heimatlicher Sehnsuchtsort am Programm. Auf der Turracher Höhe hat Robert Hollmann in seiner Kindheit einen Gutteil der Ferien verbracht. Jetzt ist die nächste Generation an der Reihe, zumindest als Namensgeber für die drei Urlaubshütten, die Hollmann in Anlehnung an die weit verbreiteten Troadkästen fast schon in Turmform errichtet hat. Toni, Luki und Franzi stehen selbstbewusst auf einer Lichtung im Wald. Hier zeigt Hollmann paradigmatisch, was Luxus für ihn bedeutet: einfache Formen und beste Materialien. Seit Dezember 2017 kann man hier im Winter wie auch im Sommer einen „Hüttenurlaub“ der Extraklasse verbringen. Das Wort gefällt Hollmann irgendwie besser als der inflationär verwendete Begriff Chalet.

Residenz am Meer

Keine zwei Kilometer vom berühmten Schloss Miramare entfernt hat sich Robert Hollmann so wie Erzherzog Ferdinand Maximilian rund 160 Jahre zuvor den Traum vom Leben am Meer erfüllt. Mit 120 Quadratmetern Wohnfläche ist seine Residenz zwar etwas kleiner als das Habsburgerschloss ausgefallen, aber bis zu sechs Personen finden auch in der Hollmann Residenza bequem Platz. Wieder war es der Ort, der Hollmann auf Anhieb begeistert hat. „Triest kenne ich seit meiner Kindheit. Von meiner neuen Heimat Kärnten bin ich mit dem Auto in weniger als zwei Stunden dort. Ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich tatsächlich eines der wenigen Grundstücke mit eigenem Meerzugang erwerben konnte. Das Haus, das ein paar Stufen weiter oben liegt, haben wir 2018 errichtet. Seit letztem Frühjahr kann man es mieten“, berichtet Hollmann über sein jüngstes Projekt.

Reisen anders denken

Wer unterwegs ist, braucht auch ein Quartier, aber dabei muss es sich ja nicht zwingend um ein Hotel handeln. Mit einem gewissen Unbehagen hat Hollmann in den letzten beiden Jahrzehnten die Zunahme des Massentourismus beobachtet, der mit einem Boom bei Massenquartieren einhergegangen ist – auch im gehobenen Segment. So luxuriös kann ein Hotel gar nicht sein, dass sich Hollmann gemeinsam mit ein paar hundert anderen Gästen wohlfühlt.

Das Aufkommen von Airbnb hat für ihn weniger mit der Entwicklung von Smartphones und Internet oder einer „Geiz ist geil“-Mentalität zu tun, sondern mit der wachsenden Sehnsucht vieler Menschen, sich wieder als Individualisten fühlen zu können. Im Gegensatz zu anderen kleineren Anbietern verzichtet Hollmann auf die Mitgliedschaft in Vermarktungsgemeinschaften. Auch Buchungsplattformen sieht er kritisch. Dafür setzt er auf gezieltes Marketing in der DACH-Region, woher der überwiegende Teil der Gäste kommt. Auch das originelle Treue-Programm „In 80 Tagen um die Welt“ funktioniert sehr gut.

Das Leben nach der Quarantäne

Mit fünf eigenen Standorten ist Hollmann auch fünfmal von den gesetzlich verordneten Schließungen betroffen. Die Finanzierung der Kredite stellt sich ohne Einnahmen schwierig dar. Prinzipiell sieht er sich mit seinen Individual-Konzepten sehr gut positioniert, um rasch wieder hochfahren zu können. „Ich kann mir schwer vorstellen, dass sich Menschen in absehbarer Zeit bei riesigen Frühstücksbuffets anstellen wollen. Für unsere drei Häuser auf der Turrach haben wir jetzt schon wesentlich mehr Anfragen als Verfügbarkeiten, und auch die Residenza in Triest wird wohl durchgehend gebucht sein, sobald die Grenze nach Italien wieder offen ist“, meint Hollmann. Wie es mit Wien weitergeht, ist schon schwerer absehbar, denn ohne auswärtige Besucher besteht auch keine Nachfrage nach Betten.

Wirklich ungewiss ist, wie es in Sri Lanka weitergeht, denn ohne Flugverbindungen mit Europa gibt es keine Möglichkeit, das UTMT wieder aufzusperren. Wann und in welcher Form es dort wieder losgeht, steht derzeit in den Sternen.

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»Gutes Design ist zeitlos. Gute Materialien werden mit der Zeit noch schöner«
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„Ich liebe meine Freunde und Gäste, aber die Leut’ mag’ ich nicht.“
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Die Bel Etage

in Wien war Hollman’s erster Streich

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Ein Traum unter Palmen?

Bei den Hollmans auf Sri Lanka genießt man lieber „Underneath the Mango Tree“

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Wohnen wie ein Einheimischer

Paris à la Hollmann

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Daheim in Kärnten

Drei „Hütten“ auf der Turrach

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Vom Bett ins Meer

Ein Privileg in der Triestiner Residenza

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