KEINER REDET IN VIER JAHREN NOCH VON NACHHALTIGKEIT

Daniel Rizzotti: Der Dallmayr-Marketingchef und Querdenker im Interview über die Zukunft der Kaffeebranche, falsche Trends und echte Gefühle.
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Foto: Rainer Fehringer
Lust & Leben: Herr Rizzotti, wir erleben in der Kaffee-Szene derzeit eine Spezialisierung in unterschiedlichen Bereichen von Cold Brew bis hin zu Pour Over Coffee. Sind Nischen der neue Trend?

Neue Trends! Ich kann das schon gar nicht mehr hören. Was ist denn wirklich neu? Wir zum Beispiel haben nie aufgehört, Filterkaffee in höchster Qualität zu zelebrieren. Und nur, weil sich eine Marketingabteilung heute ein neues Produkt ausdenkt und eine Menge Geld in die Werbung pulvert, ist etwas noch lange kein Trend. Aber einmal ganz abgesehen von der Begrifflichkeit – Nischen sind natürlich von großer Bedeutung. Wir bei Dallmayr gehen da Segment für Segment vor, analysieren das knallhart und versuchen den Zielgruppen die Qualität unserer Produkte zu vermitteln. Kaffee ist von einem Alltagsprodukt zu einem Lifestyle geworden. Für unsere Marke ist das ein Vorteil, weil wir schon immer mit Leidenschaft und Herzblut dabei waren. Und da geht es eben nicht um Trends. Es geht um Begehrlichkeit, um Gefühle.

Wo überschneidet sich die Gefühlswelt mit jener des Kaffees?

Die Frage ist vielmehr, wann überschneiden sich diese zwei Welten? Und die Antwort ist: Genau dann, wenn es nicht konstruiert ist, also nicht gezwungen passiert. So schaffen wir bei Dallmayr inspirierende Orte. Und wenn man dort ist, wird zusätzlich noch Kaffee getrunken. Wir kreieren für unsere Kunden zum Beispiel Open-Air-Kinos. Je nach Film werden unterschiedliche Zielgruppen zugeführt, dann gibt es Filterkaffee, Espresso, Cold Brew und so weiter. Nie haben wir uns treiben lassen von sogenannten Trends oder Einflüssen, sondern wir haben eine innere Freude am Produkt – und die bringen wir nach außen. Das spüren die Menschen auch in der Umsetzung. Am Ende bedeutet auch das Qualität.

Qualität hat immer auch mit Preis zu tun und mit der Frage, was für den Kunden entscheidend ist – hohe Qualität oder niedriger Preis?

Qualität wird sich immer da durchsetzen, wo der Kunde sie versteht. Das ist ja auch eine wesentliche Aufgabe, dass wir den Menschen Qualität näherbringen müssen. Storytelling ist in diesem Punkt immens wichtig. Wir sind vielleicht oft einen Tick teurer, aber wir lassen uns von unserer Qualitätsphilosophie nicht abbringen. Auch nicht, wenn die Preise für Arabica und Robusta auseinanderklaffen. Wir kaufen dann nicht vom günstigeren Produkt mehr ein. Qualität ist ein Versprechen. Wichtig ist die Leidenschaft für Kaffee und dass wir authentisch und nachhaltig unseren Weg gehen.

Nachhaltigkeit ist ein bestimmendes Thema in der Branche … Was ist Nachhaltigkeit überhaupt?

Viele denken, dass zum Beispiel „Bio“ nachhaltig ist, obwohl das zwangsläufig einmal gar nichts damit zu tun haben muss. Aber der Mainstream verbindet das mit Nachhaltigkeit. Oder „Fair Trade“. Auch das ist aus unserer Sicht zu wenig. Es geht um langjährige Beziehungen, die den Menschen vor Ort nutzen. Da stecken so viele Details drin. Für Dallmayr ist das seit jeher eine Selbstverständlichkeit. Seit den 60er-Jahren sind wir zum Beispiel in Äthiopien der größte Abnehmer von gewaschenem Arabica. Auch das ist nachhaltig. Dort wachsen kleine Strukturen, die wir fördern. Zusätzlich bauen wird gemeinsam mit „Menschen für Menschen“ Schulen und haben darüber hinaus bereits mehr als 50 Millionen Baumsetzlinge gespendet. Aber wir schreien das nicht laut in die Welt hinaus. Für uns ist es normal. Und es wird sich durchsetzen. In vier Jahren wird es meiner Meinung nach gar keinen Kaffee mehr geben, der nicht nachhaltig ist. Denn nur so kann Qualität auf Dauer sichergestellt werden.

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