HIGH FIVE FÜR SALZBURGS BARSZENE

Die hohe Kunst des Cocktails-Mixens macht große Freude. Insbesonders wenn die Barteams nicht nur ihr Handwerk, sondern auch ihre Gäste verstehen. Wie die unserer Top Five.
Caroline Hafner_Hangar7.png
Caroline Hafner/Mayday Bar: Wir möchten dem Gast auch neue Drinks nahebringen
Foto: Rainer Fehringer

Die neue Generation der Cocktailbars ist in Salzburg erfolgreich angekommen. Und das sowohl beim experimentierfreudigen Publikum als auch bei den wunderbar kreativen Barkeepern und Bartenderinnen. Ob klassische Bar, Newcomer im Urban Style oder in perfekter Kombi mit International Barfood, hier haben Liebhaber der gemixten Lebensfreude eine echte Auswahl. Entspanntes Ambiente, abwechslungsreiche Barkarten und überraschende Geschmackserlebnisse findet man ebenso wie sympathische Gastgeber, die mit Leidenschaft bei der Sache sind. Uns haben getwistete White Russians, straighte Wodkatini oder inspirierende Signatures Lust auf mehr gemacht.
In diesem Sinne: chin-chin!

Sterne-Barfood inklusive

Der Hangar-7 ist als Gesamtkonzept einer der Garanten, wenn es um Qualität, internationale Trends und ein Rundum-sorglos-Paket für einen angenehmen Abend geht. Bei der Mayday Bar, mit Blick auf die eindrucksvolle Flughalle, setzt sich das in besterweise fort. Verantwortlich dafür ist das junge Team mit Barchefin Caroline Hafner, die gemeinsam mit Lucas Punt und Harald Gröbl seit rund einem Jahr frischen Wind in die Barszene bringt. Die mehr als 100 verschiedenen Spirituosen legen dafür die Grundlage, mit selbst gemachten Sirupen und den vielen Eigenkreationen bleibt es auch bei regelmäßigen Besuchen immer spannend. Aber für den erfahrenen Barkeeper ist auch hier die richtige Dosis wichtig. „Ich möchte die Gäste nicht mit einer zu großen Auswahl überfordern“, erklärt Caroline. Wichtiger sei es, die mögliche Vielfalt zu zeigen, experimentierfreudig zu sein und den Gästen neue Drinks nahezubringen. „Wir versuchen, von den gewohnten Drinks wegzukommen. Und wenn man das dem Gast erklärt, wird das unheimlich gut angenommen.

“ Deshalb bietet die Barkarte eine feine Auswahl an Klassikern, Soft Cocktails und Mayday Bar´s Specials. Alles andere wird auf Wunsch gemixt. Wir wünschen uns also einen Frühlingsdrink gegen den Winterblues. Dazu passt: „Etwas florales, leichtes mit einem Hauch Frische“ wie ein Dirty Maja aus Jinzu Gin, Bienenwachs, frischem Zitronensaft, Italicus und Honigsirup. Als alkoholfreie Variante – „das wird immer öfter nachgefragt“ – gibt es Aloha from Vera mit Zitronen- und Limettensaft, Aloe Vera, hausgemachter Ananas Cordial und Organics by Red Bull Bitter Lemon.

Und wer nach ein oder zwei Cocktails Hunger bekommt, ist in der Mayday Bar auch genau am richtigen Ort. Denn für das Barfood zeichnet das hervorragende Ikarus-Küchenteam unter Martin Klein verantwortlich. „Das ist die Besonderheit dieses Hauses. Wir können ein perfektes Zusammenspiel von Speisen und Getränken bieten.“ Die Karte wechselt rund alle drei Monate und bietet eine kulinarische Reise um die Welt. „Zumeist sind es sechs Hauptgerichte und zwei Desserts“, sagt Caroline. Zum Beispiel gelbes Thai-Curry, indische Pizza oder japanisches Anmitsu. Dazu kreiert das Barteam auf Wunsch den passenden Cocktail. „Ich persönlich finde Food Pairing ein wahnsinnig spannendes Thema. Man kann damit extrem viele Aromen herausholen, die erst in der Kombination entstehen und damit einen echten Wow-Effekt erzielen.“ Und auch wenn Food Pairing im klassischen Sinn in Salzburg noch nicht angekommen ist, exzellentes Barfood ist schon mal der erste Schritt.

Klassiker mit Twist

Mentor Mustafa ist Barkeeper durch und durch. Gleich beim Eintreten in Mentor´s Bar wir man begrüßt, als wäre man bei Freunden zu Gast. „Schön, dass ihr wieder da seid. Ist schon bissl länger her.“ Ja, stimmt, aber den Lieblingsdrink hat Mentor dennoch gleich parat – „für dich, einen sehr trockenen Martini mit Wodka, oder?“ Dann wird über Wermut gefachsimpelt, inklusive Verkostung, denn natürlich müssen wir den gerade eingetroffenen Marolo Vermouth probieren und über die anstehende Turinreise wird geplaudert. Diese Affinität zu hochwertigen Spirituosen, klassischen Drinks und die Liebe zum Gastgeber-Sein, waren auch die Gründe, 2016 eine eigene Bar aufzumachen. „Ich wollte in Salzburg die klassische Barkultur einführen“, erzählt uns Mentor. „Dabei sind uns Qualität, Authentizität und Gastlichkeit besonders wichtig.“ Und so genießt man hier die Cocktailklassiker mit Signatures, saisonalen Einflüssen und besten Zutaten. Das kommt nicht nur beim großen Stammpublikum gut an, auch wer das erste Mal hier ist, wird schnell von dem Gespür für die perfekte Kombi überzeugt. Denn Mentor mixt für jeden Geschmack den passenden Drink. Die Frage nach seinem Lieblingsdrink ist übrigens schnell beantwortet: „Der Negroni, klassisch oder in diversen Abwandlungen. Das liebe ich.“ Zu jedem Drink kann man Soletti knabbern oder Kleinigkeiten wie Oliven und Antipasti bestellen. Auch soll es bald eigenes Barfood geben, das warme Speisen bietet und zu den jeweiligen Cocktails passt.“ Wir sind gespannt und freuen uns schon auf den nächsten Besuch!

Urban-Jungle-Fever

Einen Erfolgsstart haben Attila Szelhoffer und Tobias Pfeifer mit ihrem Burdock–Punch & Cocktails hingelegt. Vergangenen Sommer haben die beiden ein ziemlich lässiges Lokal eröffnet, das absolute Wohlfühlatmosphäre bietet. Im Dschungellook, mit vielen Pflanzen und einem Zuckerrohrbrunnen, ist gechilltes Cocktailtrinken garantiert. Die Barkarte ist sehr inspiriert und wer für sich dennoch nichts finden sollte, kann sich vertrauensvoll an Attila oder Tobias wenden, denn sie beherrschen auch die Klassiker aus dem Handgelenk. Wir haben uns über Tokio Sour mit Toki Japanese Whiskey, Seetang und Matcha-Tee gefreut, eine Holy Moly mit Mezcal San Cosme und Kaktusfeige probiert sowie einen Saketini mit Rutte Sellery Gin und Sake aus japanischen Teetassen genippt. Das liebevolle Anrichten ist hier nämlich ebenso Standard wie die freundliche Beratung. „Wir wollen auch bei der Deko immer etwas Besonderes machen“, sagt Tobias. Was das Essen betrifft, soll es in Bälde soll Dim-Sum geben, denn – „Wir haben gemerkt, nach ein, zwei Drinks wollen die Gäste etwas essen. Aber wir haben keine Küche und sind zu zweit. Das heißt, wenn höchster Barbetrieb ist, muss es auch zu schaffen sein.“ „Warum eigentlich Burdock?“, wollen wir noch wissen. „Wir haben ein Wort gesucht, das man nur mit unserer Bar verbindet“, so Tobias. Das haben sie geschafft, das Burdock ist für alle Cocktail-Liebhaber inzwischen ein Begriff.

Tobias Pfeifer und Attila Szelhoffer1.png
Im Dschungel: Tobias Pfeifer & Attila Szelhoffer im Punch-Room
Foto: Burdock
Making Cocktails Great Again

Das Versprechen wird in der Jigger Bar jedenfalls gehalten. Michael „Mike“ Steinbacher hat etwas abseits der Altstadt einen angenehm entspannten Ort geschaffen, wo man wirklich hervorragende Cocktails genießen kann. Bei der Einrichtung hat er auf eine gelungene Kombi aus Industrial Design und Vintage-Look gesetzt. „Ich wollte einfach etwas anderes. Shabby Chic für ein wenig Großstadtgefühl“, so Mike. Und auch bei den Cocktails gilt es, anders zu sein. „Ja, ich bin da ein bissl verrückt“, meint Mike über sich selbst. Seine Drinks entstehen im Kopf, werden einmal gemixt, fertig. So wird auch eine neue Barkarte in nur drei Stunden geschrieben. „Und jeder Cocktail passt dann einfach.“ Inspiration findet er dabei überall: Gerüche, Aromen, Orte, Situationen. So führte die – „extrem anstrengende“ – Umbauphase vor der Eröffnung 2017 zu Kreationen wie „Mi gfreits nimma“ oder „FI-Schalter testen“. Ein Gast mit Tinder-Date inspirierte zu den „Schmutzigen Bargesprächen“, deren Drinks unter anderem an Kondomgeschmack angelehnt waren und diese auch enthielten. „Ich habe eine Idee und die setze ich dann um.“ Das aktuelle Barkartenthema lautet Sightseeing Salzburg und enthält unter anderem seine persönlichen Lieblingsplätze in flüssiger Form. Der Thaiimbiss gegenüber findet sich ebenso wie der Gaisberg oder die anderen Cocktail-Bars wie Mentor’s, Burdock oder Mayday Bar. Mike sieht das ganz entspannt: „Ich habe da kein Konkurrenzdenken. Wir verstehen uns alle super.“ Wir haben uns für Lek’s Thai Küche entschieden. Perfekt getroffen mit Coconut Rum, Sherry, Birne, Salz, grünem Curry und Kokosspuma. Der Gaisberg schmeckt nach Sonnenuntergang und die Festspiele einfach grandios. „Meine Drinks sind auch oft an Personen angelehnt. Mozarts Erbe ist zum Beispiel mit Red Bull gemixt, weil ich denke, er hätte das sicher getrunken.“ Zum Essen gibt es derzeit Nachos oder saisonale Kleinigkeiten. Geplant sei ab dem Frühjahr Barfood anzubieten, wie zum Beispiel Garnelen, die in Salzwasser gegart werden. „Da hat man dann beim Schälen noch den Salzgeschmack auf den Fingern“, erzählt Mike begeistert. Unser Fazit: Alleine die Cocktails sind schon einen Besuch wert.

Mike Steinbacher.png
Bei Mike Steinbacher entstehen Drinks im Kopf, werden einmal gemixt - und fertig
Foto: The Jigger Bar
Cocktail-Evolution

Last but not least auf unserer Best-of-Liste, das Darwin’s mit Geschäftsführer Andreas Allesch, dass sich vom Day-Café gegen Abend immer mehr zur beliebten Cocktail-Bar entwickelt. Am Anfang der Steingasse ist die Location mitten in der Altstadt dafür natürlich optimal. Highlight dabei: der Schanigarten mit Blick auf Staatsbrücke und Mönchsberg und den meisten Sonnenstunden des Jahres. Hier kann der Sundowner entsprechend erlebt werden und das Barteam kreiert dafür jedenfalls den passenden Drink. Ob saisonale Specials, Klassiker mit Twist, Signature Drinks oder die Darwin’s-Kreationen, Johanna „Jojo“ Luger und Mario Nestlehner verleihen diesen das gewisse Extra. Zum Beispiel trinken wir einen Panda White Russian mit Kektel One Vodka, Kahlua und Reis-Kokosmilch, der ziemlich gut ist und beim Trinkhalm ganz nachhaltig auf Nudel statt Plastik setzt. Eines der kleinen Extras, die das Lokal so sympathisch machen. Weiters kommt der Honig für Cocktails wie die Asian Symphony direkt vom nahen Kapuzinerberg und der Lemon Mix für den Cuba Beach aus regionaler Produktion. Gemütlich ist das Darwin’s übrigens auch indoor, die Einrichtung ist ein stilvoller Mix aus Steampunk und Lederbänken, am Tresen sitzend erlebt man die Mixkunst von Jojo und Mario aus nächster Nähe und an den Wänden hängen riesige alte Weltkarten, angelehnt an Charles Darwin’s Weltumsegelung, die zu diversen Drinks inspiriert hat. Sich also zum Kaffee treffen und dann nahtlos zu Cocktails übergehen? Klingt nach gutem Plan.

WER & WO

Mayday Bar Im Hangar-7
Wilhelm-Spazier-Straße 7a
Loungebar mit tollem Barfood

Mentor’s Bar Kultur
Gstättengasse 3
Klassische Cocktailbar
mit Charakter

Burdock Punch & Cocktails
Schallmooser Hauptstr. 10a
Punchbar mit Liebe
zum Detail

The Jigger Bar
Schallmooser Hauptstraße 44
Cocktailbar mit Wow-Effekt

Darwin’s Bar
Steingasse 1
Tagesbar mit
Cocktails & mehr

Kontakt