ALLES IM FLUSS

Der Brenner Josef Farthofer war schon zu Studienzeiten ein Verfechter der Natur und Tierwelt. Dass er seine Destillerie im niederösterreichischen Mostviertel nach biologischen und nachhaltigen Richtlinien ausrichtete, lag deshalb auf der Hand. Sein Bestreben heute: alles in einen ökologischen Kreislauf zu bringen.
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Knapp 12.000 Mostbirnenbäume stehen im Garten
Foto: Manfred Horvath

Josef Farthofer steht hinter seinem Kellerhaus inmitten seines Birnengartens und lässt den Blick schweifen. Knapp 12.000 Mostbirnenbäume reihen sich hier aneinander. Es ist die größte Obstbaumplantage dieser Art in Europa. Der renommierte Edelbrenner hat in seinem Leben viel erreicht. Aus dem jungen Mann, der seine erste Obstpresse noch mit dem Taschengeld finanzierte, ist mit den Jahren der größte Anbieter von selbst hergestellten, biologischen Spirituosen im deutschsprachigen Raum geworden. Seine Produktion in Öhling im Mostviertel nahe Amstetten gilt als einer der Leitbetriebe der Region. Seinen Erfolg begründet Farthofer mit der kompromisslosen Konzentration auf Qualität und der ausschließlichen Verwendung von Bio-Früchten und Bio-Getreide – und das von Beginn an. Die Bio-Linie war bei ihm nie ein Marketing-Gag. Vielmehr war es die logische Fortführung seiner früheren Interessen. Denn schon während des Studiums der Wirtschaftspädagogik lag Farthofers Schwerpunkt auf den Bereichen Natur, Naturschutz und Nachhaltigkeit. Themen, die ihn so schnell nicht wieder loslassen sollten. „Wenn man einmal in nachhaltigem Denken drin ist, gibt es keinen Bereich mehr, den man nicht auch noch umdrehen würde.“

Vom Hobby- zum Edelbrenner

Mit 31 Jahren machte Josef Farthofer Ernst. Aus seinem Hobby wurde ein Beruf, aus der provisorischen Anlage in der Garage des Elternhauses 2003 eine Edeldestillerie in Aschbach bei Amstetten auf höchstem
technischen Standard. Aufgrund der rasant steigenden Nachfrage erfolgte bereits vier Jahre später der Umzug an einen neuen Standort. „Ich habe zunehmend interessierte Besucher verärgert, weil ich sie platztechnisch nicht mehr empfangen konnte. Also suchte ich nach einem neuen Standort, an dem ich eine gläserne Produktion erschaffen konnte. An dem man nicht nur verkosten, sondern auch die Herstellung von Bränden erleben kann.“ Farthofer und seine Frau Doris kauften ein ehemaliges, denkmalgeschütztes Presshaus in Öhling, das sie in drei Jahren mühevoller Kleinarbeit revitalisierten und umbauten. Die Mostelleria, wie das Brenner-Paar seine Destillerie seit 2010 nennt, ist heute zugleich Produktionsstätte, Verkaufs- und Lebensraum.

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Schmotzbirne, Speckbirne, Knollbirne, Dorschbirne, Rote Pichlbirne, Bohnapfel, Kriecherl, Zwetschken stehen vor der Haustüre
Foto: Manfred Horvath
Klares Herkunftsprofil

Josef Farthofers Philosophie nimmt im Laufe der Jahre Fahrt auf: Zu Bio, Qualität, Bodengesundheit und Artenvielfalt gesellen sich die Begriffe Nachhaltigkeit, Upcycling und schließlich Kreislaufwirtschaft. Obwohl dem Brenner theoretisch die ganze Welt der Früchte zur Verfügung stehen würde, konzentriert er sich von Anfang an auf das Brennen von Früchten, die der Tradition des Mostviertels entsprechen und quasi vor der Haustüre wachsen: Schmotzbirne, Speckbirne, Knollbirne, Dorschbirne, Rote Pichlbirne, Bohnapfel, Kriecherl, Zwetschken. Rasch folgen Haselnussgeist, dann Quitten- und Weichsellikör. Farthofer: „Ich wollte keine beliebig austauschbare Produktpalette, sondern ein klares Profil auf Basis meiner Herkunft.“ Nach und nach wuchsen Sortiment und Landwirtschaft. Beim Getreide legt Farthofer einen Fokus auf robuste Ursorten wie Nackthafer und Schlägler-Roggen, weil sie sich besser brennen lassen. Seit Herbst 2018 kommt das Bio-Malz aus der hauseigenen Mälzerei. Das Angebot umfasst mittlerweile über 50 verschiedene Brände, Liköre und Geiste, die Produktion beläuft sich auf 50.000 Liter pro Jahr.

Wiederverwenden & recyceln

Doris und Josef Farthofer werden nicht müde bei ihrem Bestreben, die Abläufe im Betrieb in einen Kreislauf zu bringen. Dazu gehört es vor allem, alte Stoffe, die scheinbar ihren Wert verloren haben, Teil eines neuen Produkts werden zu lassen. „Viele Abfälle sind einfach zu schön, um Müll zu sein“, wie das Paar betont. Sofern möglich, kommen recyclingfähige und nachhaltige Materialien zum Einsatz. Wohl einzigartig ist das ökologische Heizen mit Elefantengras, auch Miscanthus oder Stilblütengras genannt, das durch seine hohen Trockenmasse-Erträge zum Superstar unter den Energiegräsern avanciert ist. Farthofer baut es auf seinen Feldern selbst an, ließ bereits beim Bau der Mostelleria den Fußboden damit dämmen und speist die Abwärme in das öffentliche Gemeindenetz ein. Die angefallene Schlempe aus dem verarbeiteten Getreide und Obst wird zu Dünger und Viehfutter. Gepresste Fruchtrückstände werden für Liköre und Fruchtgeiste weiterverwendet, übriggebliebene Kerne aus dem Steinobst landen in der Hackschnitzelheizung. Gesammeltes Brot wird zu Brotschnaps. Darüber hinaus sollte erwähnt werden, dass der Wasserverbrauch bei der Schnapsproduktion im letzten Jahr um 47 Prozent reduziert werden konnte. Das ist in absoluten Zahlen eine Einsparung von 1.512 m3 Wasser.

Ein Maximum an Natur
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Zukunft: Noch mehr Natur und noch mehr biologische Unversehrtheit in den Früchten, die Josef Farthofer für seine Brände verwendet
Foto: Manfred Horvath

Für die Zukunft hat sich Josef Farthofer vorgenommen, seinen Bio-Anspruch weiter zu steigern. Der erfolgreiche Brenner will noch mehr Natur und noch mehr biologische Unversehrtheit in den Früchten, die er als Ausgangsmaterial für seine Brände verwendet. Möglichst viele Rohstoffe sollen aus eigener Erzeugung kommen. Das wird beispielsweise durch die baldige Übernahme und Bewirtschaftung des elterlichen Hofes verstärkt möglich sein. Zudem stecken seine Frau und er gerade in der Planungsphase für ein neues Projekt, für das die beiden auch eine neue Verfahrenstechnik entwickeln möchten. Mehr darf allerdings noch nicht verraten werden, für Konkretes sei es noch zu früh. Sicher ist jedoch, dass sich auch dieses Vorhaben nahtlos in die bereits umfangreiche Liste grüner Initiativen einordnen und damit schlussendlich auch in die hohe Qualität der Produkte einzahlen wird.

WER & WO

Destillerie Farthofer
Josef & Doris Farthofer
Öhling 35, 3362 Öhling
destillerie-farthofer.at

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Grüne Initiativen

Doris und Josef Farthofer betreiben in ihrer Destillerie eine geschlossene, ökologische Kreislaufwirtschaft. 2019 wurden sie für ihre vorbildliche Arbeitsweise vom Magazin „Business Art“ mit dem Preis „Nachhaltige Gestalter“ ausgezeichnet.

Energiemanagement

✚ Ökologisches Heizen mit auf eigenen Feldern angebautem Elefantengras (Miscanthus)
✚ Abwärme wird in das öffentliche Gemeindenetz eingespeist und versorgt u. a. Schule, Kindergarten und Feuerwehr.
✚ Bezug von Ökostrom
✚ PV-Anlage auf dem eigenen, wenige Kilometer entfernten Vierkanthof

Müllmanagement

✚ Kerne und Trester der verarbeiteten Früchte werden zu Schlempe verarbeitet, mit Mikroorganismen versetzt und als Dünger auf den eigenen Feldern ausgebracht.
✚ Getreideschlempe und Biertrester dienen als Viehfutter für befreundete Bio-Landwirte.
✚ Gepresste Fruchtrückstände (Fruchtkuchen) werden für die Erzeugung von Likören und Fruchtgeisten weiter verwendet
✚ Rückstände aus der Verarbeitung von Getreide und Steinobst dienen als Heizmaterial für die Brennöfen der Destillen, die daraus entstehende Asche kommt zurück auf die Felder
✚ Getreide-Stroh und Blätter von Miscanthus-Schilf werden in den Boden eingearbeitet und fördern den Humusaufbau
✚ Altbrot wird zu Brotschnaps
✚ In der Destillerie anfallende Kartonagen sowie das gesamte Büromaterial werden zu Verpackungs- und Füllmaterial für Kartons und Pakete.

Naturschutz & Artenvielfalt

✚ 1995 Kultivierung der Wildpflanze Holunder in Plantagenform im Mostviertel
✚ Seit 1997 gemeinsames Projekt mit WWF und Land Oberösterreich zur Ansiedelung der fünf seltensten Wiesenbrüter (Vögel) der „EU-Roten-Liste“ auf 12 ha eigener Wiese
✚ 2017 zusätzlicher Nachweis seltener Tier- und Pflanzenarten wie Zauneidechse, Warzenbeißer, Johanniskraut, Wirbeldost, Wilder Thymian und Blutwurz auf derselben Wiese
✚ Gezielte Ansiedelung von Wildbienen im Obstgarten durch drei eigene Wildbienenhotels, dadurch zusätzliche Zucht neuer Kokons mit 146 roten Mauerbienen und 435 gehörnten Mauerbienen
✚ Einsatz von Grasmulch zur Verbesserung des Humusgehalts im Boden sorgt zusätzlich für eine größere Artenvielfalt an Kräutern und Gräsern
✚ Ansiedelung eines Waldkauzpäarchen im Obstgarten mittels eigens angefertigter Nistkästen

Mobilität

✚ Elektromobiler Fuhrpark

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