UND OBEN THRONT DER HOHE KÖNIG

Stolz ragt der Hochkönig aus dem prächtigen Bergpanorama des Steinernen Meers noch heraus. Doch rund um den imposanten Gipfel hat sich der Tourismus vergleichsweise recht langsam entwickelt. Erst seit ein paar Jahren weht hier ein frischer Wind. Einer der tatkräftigsten Windmacher der Region ist Sepp Schwaiger.
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Foto: Rainer Fehringer

Südlich geht es nach Gastein, westlich nach Zell am See, Leogang und Kitzbühel, nördlich liegt Berchtesgaden und der Königssee. Allesamt internationale Tourismus-Destinationen mit klingenden Namen. Die Gemeinden Maria Alm, Dienten und Mühlbach, die sich gemeinsam als Tourismusregion Hochkönig vermarkten, sind deutlich weniger bekannt. Die traumhafte Landschaft samt intakter Natur
ist zwar für zahlreiche Zweitwohnbesitzer – darunter auch sehr wohlhabende und prominente Familien – attraktiv, was die touristische Infrastruktur betrifft, hinkte man den bekannten Nachbarn jedoch stets hinterher. Doch seit rund zehn Jahren ist rund um den Hochkönig viel in Bewegung geraten. Neue Lifte und Bergbahnen wurden errichtet, und man begann auch verstärkt ins Marketing zu investieren, was bei drei relativ weit auseinanderliegenden Orten mit unterschiedlichen Partikularinteressen nicht immer einfach ist. Biken, Bergwandern und wilde Kräuter sind die Themen für den Sommer, klassisches Skifahren und Snowboarden im Winter. Mit der heurigen Wintersaison geht die neue 10er-Kabinenbahn Gabühel in Betrieb. Wir wollen den Aufbruch der Region anhand der Familie Schwaiger schildern, deren Markenname
allerdings Eder lautet. Was die Familie unter dem energiegeladenen Sepp Schwaiger in den letzten Jahren auf die Beine gestellt hat, ist in der Tat exzeptionell – oder sagen wir besser: exsepptionell.

Vom Architekten zum Bauherrn

Für Sepp Schwaiger war es anfangs alles andere als klar, einmal das elterliche Hotel Eder am Dorfplatz von Maria Alm zu übernehmen. Nachdem sein Vater 1989 sehr früh verstorben war – Sepp war damals gerade einmal neun Jahre alt –, musste die ganze Familie doppelt anpacken. Nach der HTL-Matura wusste er genau, was er nicht wollte. Gastgewerbe? Nein danke! Wie gut, dass er – zumindest scheinbar – wusste, was er wollte. Nach dem Bundesheer ging er nach Innsbruck und begann ein Architekturstudium. Jobs auf der Baustelle fand er interessanter, als in der Gaststube zu kellnern. „Zum einen hat mich das Gestalterische fasziniert. Zum anderen interessierten mich auch die technischen Aspekte wie das Zusammenspiel der Handwerker. Ich dachte, ich hätte meinen Traumberuf gefunden“, erinnert sich Sepp Schwaiger.

Es kam anders, aber das erworbene Wissen rund ums Planen und Bauen war schlussendlich doch recht nützlich. In den letzten zehn Jahren glich das Hotel Eder in fast jeder Zwischensaison einer Großbaustelle. 2010 wurde die Kapazität auf 60 Zimmer verdoppelt. 2012 wurden Bar, Rezeption und Eingangsbereich neu gestaltet. 2015 kamen zwölf weitere Zimmer dazu. Außerdem wurde im Keller ein moderner Spa-Bereich installiert und der spektakuläre Pool errichtet. Ein Jahr später erfolgte der Bau eines Tagungsbereichs. Vor einem Jahr wurde schließlich das spektakuläre Adults-only-Hotel Sepp fertiggestellt. Und auch der dritte Betrieb der „Eder-Collection“, die Toms Alm seines um vier Jahre jüngeren Bruders Tom Schwaiger, wurde im vergangenen Jahr erbaut. Man hat fast den Eindruck, dass Sepp Schwaiger nur deshalb als Hotelier in den familiären Betrieb nach Maria Alm zurückgekehrt ist, damit er als umtriebiger Bauherr tätig sein kann.

Geld verdienen – Zukunft planen

Tatsächlich erfolgte die Rückkehr Schritt für Schritt. Als er während der Ferien die Möglichkeit bekam, einen leeren Raum im Hotel Eder als Bar zu nutzen, sah er erstmals, dass Gastronomie auch richtig Spaß machen kann, wenn man neue Wege geht. Also beschloss er im folgenden Jahr, in Innsbruck das Studium der Tourismuswirtschaft zu beginnen. „Da wurde mir klar, was mich beim elterlichen Betrieb störte. Die ganze Familie arbeitete rund um die Uhr mit viel Einsatz, aber der große unternehmerische Erfolg blieb deshalb aus, weil wir einfach falsch aufgestellt waren. Es war eine Form von ‚Weiterwursteln‘ ohne richtigen strategischen Plan. Wir haben 60 Prozent des Umsatzes mit der Gastronomie gemacht und nur 40 Prozent mit den Zimmern, dabei sollte es genau umgekehrt sein“, erinnert sich Sepp Schwaiger.

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Foto: Hotel Eder

Durch sein Studium wurde er in seinem Mut bestärkt, in die Zukunft zu investieren. Zwar stellen große Investitionen für jeden Unternehmer ein gewisses Risiko dar, doch wenn man Benchmarks hat und an Beispielen von erfolgreichen Kollegen sieht, worauf es ankommt, traut man sich leichter, so etwas auch selbst umzusetzen. Doch bevor es dazu kam, tagte einmal der Familienrat. Wie soll es weitergehen? Wo soll der Betrieb in zehn Jahren stehen? Wer kann welche Rolle übernehmen? Gemeinsam mit Schwester Getrude übernahm Sepp Schwaiger die Geschäftsführung, wobei sich die Schwester um die Rezeption und die gesamte Buchhaltung kümmern und Sepp das Operative vorantreiben wollte. Die jüngere Schwester Theresia Schwaiger kehrte genauso wie der jüngere Bruder Tom nach ein paar internationalen Wanderjahren etwas später zurück. Die jüngere Schwester Theresia arbeitet heute als Assistentin der Geschäftsführung, Tom leitete vier Jahre lang den Service im Restaurant und hat sich letztes Jahr mit Toms Alm selbstständig gemacht

»»In die Neupositionierung zu investieren, war weniger riskant, als weiterzumachen wie bisher««
Wurzeln und Flügel

Der Großvater hat Weitblick und Pioniergeist bewiesen, als er 1961 ein Gasthof im Zentrum von Maria Alm eröffnete. Mit zwei Erweiterungsschritten 1970 und 1983 wuchs die Zimmerzahl von neun zuerst auf 18 und dann auf 29 Zimmer. Dann war mit Großinvestitionen erst einmal Schluss. Der Ruf des „Eders“ als Ort der Begegnung ist beständig gewachsen. „Wie solide die Basis war, ist mir erst aus der Entfernung bewusst geworden. Gleichzeitig habe ich beim Studium gesehen, dass es zahlreiche vergleichbare Betriebe gibt, die in einer ähnlich problematischen Situation ‚gefangen‘ waren. Mir ist damals bewusst geworden, dass es wesentlich riskanter wäre, mit den bestehenden Strukturen weiterzumachen, als in eine Neupositionierung zu investieren“, meint Sepp Schwaiger.

Anfangs herrschte in der Familie noch ein gewisse Skepsis, ob man die für die Investition notwendigen Preiserhöhungen durchsetzen könne. Doch siehe da – mit den größeren, komfortableren Zimmern und dem großzügigen Wellness-Bereich samt Pool waren die höheren Zimmerpreise überhaupt kein Problem. Nur wenige Stammgäste gingen verloren, dafür wurden viele neue Gäste gewonnen. Kaum zu glauben, dass der tatkräftige Junggeselle damals auch noch Zeit fand, ab und zu seine Tourenskier zu packen, um hinauf zur Steinbockalm zu steigen. Doch er hatte gute Gründe. Schließlich arbeitete dort ein fesches Mädchen namens Tanja. Und die hat ihm immer wieder zugezwinkert ... Heute sind die beiden ein Paar und seit 1. Jänner 2018 sogar zu dritt. Auch wenn der Junior namens Sepp noch viel Aufmerksamkeit bekommt, arbeitet Tanja schon wieder beherzt im Betrieb mit.

Ein Trailer grüßt vom Dach
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Foto: Hotel Sepp

Vor gut zwei Jahren wollte Sepp Schwaiger dann auf einem unbebauten Grundstück am Ortsrand ein Mitarbeiterhaus errichten, weil dies auf Dauer billiger ist und die Mitarbeiterzufriedenheit hebt. Doch wie es das Schicksal wollte, wurde ihm völlig überraschend das leerstehende Nachbarhaus angeboten, das fast schon bezugsfertig war. Was also tun mit den Bauplänen? „Ich sehe in Maria Alm Potenzial für zusätzliche Betten, also haben wir beschlossen, ein weiteres Hotel zu errichten. Gleichzeitig wollten wir das Haus ganz anders positionieren, um eine Kannibalisierung zu vermeiden. Ich war Feuer und Flamme, weil wir bei null beginnen konnten. Im Hotel Eder mussten wir bei allen Umbauten auf bestehende Strukturen Rücksicht nehmen“, erklärt Sepp Schwaiger, der das Hotel natürlich nicht nach sich selbst, sondern nach seinem Sohn auf den Namen „Sepp“ taufte.

Eine Portion Kreativität war allerdings auch gefragt, denn die Lage an sich ist wenig reizvoll. Dass die Rezeption samt Lobby und Gemeinschaftsraum nicht wie üblich ebenerdig positioniert ist, sondern ins Dachgeschoß wanderte, war nur einer von mehreren Tricks, um das Hotel Sepp zu etwas Besonderem zu machen. Dass ein perfekt renovierter 1970er-Jahre-US-Trailer zu einer Sauna umgebaut und aufs Dach gehievt wurde, ist ein weiterer Coup, der auf den ersten Blick signalisiert, dass es sich um ein außergewöhnliches Haus handelt. Und hunderte andere kleine Überraschungen sorgen dafür, dass man es schon fast als normal empfindet, dass im Inneren des Hauses ein hundert Jahre alter Baum steht, der bis ins letzte Stockwerk reicht. So fantasievoll das Hotel Sepp wirkt, so nüchtern wurden die innerbetrieblichen Abläufe geplant. Es gibt keine eigene Gastronomie, damit das Haus auch bei geringer Auslastung profitabel geführt werden kann. Das Frühstück wird vor Ort zubereitet und geht Open End bis Mittag. Kuchen und Snacks werden vom nur wenige hundert Meter entfernten Stammhaus genauso gecatert wie ein Abendgericht. Dank aufwendiger Details kann der Claim „Luxury with a Twist“ mit relativ geringen laufenden Kosten glaubhaft umgesetzt werden.

Trau keinem unter 21

Während das Hotel Eder bewusst breit aufgestellt ist, hat das Sepp ein sehr scharfes Profil. „Adults only“ lautet das Konzept, Kinder müssen draußen bleiben. „Familien sollen zu uns ins Hotel Eder kommen, dort können wir uns perfekt um die Bedürfnisse von Kindern kümmern“, erklärt Sepp Schwaiger. Eine scharfe Positionierung sei auch für die Vermarktung im Internet sehr wichtig, wenn man nicht ausschließlich über den Preis verkaufen will. „Zur Gästegewinnung ist ein optimaler Online-Auftritt entscheidend, wobei mir die Preise für die Vermarktung via Instagram, Facebook oder Google eigentlich zu hoch sind – vor allem, weil sie im Gegensatz zu den Kommissionen auf Buchungsplattformen nicht zwingend mehr Umsatz bedeuten. Umso wichtiger ist uns daher der eigene Webauftritt mit einer direkten Buchungsmöglichkeit“, so Schwaiger.

Marketing macht ihm aber auch offline viel Spaß. Auch wenn er nicht wie sein Großvater Eder, sondern Schwaiger heißt, wird die Marke „Eder“ auf vielen Ebenen sehr aktiv gepflegt. So wurde vergangenes Jahr die „Eder Collection“ als Dachmarke ins Leben gerufen, zu der neben den beiden Hotels Eder und Sepp auch die sechs Appartements am Teich und das Bergrestaurant des Bruders gehören. Und auch die Kooperation mit Partnern (Wein, Bier, Bekleidung, Sportschuhe, Schaukeln) wird gepflegt, um die eigene Marke ins rechte Licht zu rücken. „Die Vermarktung des Stammhauses ist eigentlich am schwierigsten, weil wir da am breitesten aufgestellt sind. Der Überbegriff Lifestyle ermöglicht es, vieles unter einen Hut zu bringen. So kann sich jeder Gast seine Nische suchen, die stimmig bedient wird. Das zeigt sich auch in der Küche. Die Funktion des Dorfwirtshauses wird mit rustikalen Schmankerln nach wie vor erfüllt, aber am Mittwoch und Freitag darf der nepalesische Koch Rohan auch authentische Sushi zubereiten, so wie er es in Top-Hotels in ganz Asien gelernt hat. Auch das ist Lifestyle. „Bei uns ist immer etwas los. Ganz nach dem Motto: Wenn du nach Maria Alm kommst, musst du zum Eder“, meint Sepp Schwaiger

HOTEL EDER
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//hoteleder.com

HOTEL SEPP
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//edersepp.com

TOM ALMHÜTTE
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Mit der Errichtung der neuen Natrunbahn ergab sich ein neuer Standort für ein Bergrestaurant hoch über dem Ort. Tom Schwaiger wurde mit dem Grundeigentümer rasch einig – nicht zuletzt, weil er dem Bauern versprach, mit seinen Produkten zu arbeiten. Obwohl Toms Almhütte wie ein stylischer Club mit urbaner Architektur wirkt, wird hier täglich frisch mit regionalen Produkten gekocht.Und wenn einmal ein Knochen übrig bleibt, freut sich Choupette. Der kleine Mops, der auch als Logo dient.
//edertom.com

GRÜNEGG ALMGASTHOF
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Mitunter sausen die Gäste mit ihren Rodeln recht beschwingt ins Tal. Das liegt dann zumeist an den feinen Edelbränden und Likören, die Heinrich Rainer gemeinsam mit Sohn Johannes auf ihrem 1506 erbauten Erbhof produziert. So alt der Hof ist, so modern ist die Destillerie. Seit letztem Winter können Gäste sogar über Nacht bleiben, denn die Familie Rainer hat den ersten Stock des historischen Bauernhauses mit beachtlichem Aufwand in ein luxuriöses Chalet umgewandelt. Neben der Bewirtung der Gäste und dem Schnapsbrennen betätigen sie sich mit großer Leidenschaft als Bergbauern.
//gruenegg.at

STEINBOCKALM
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Wenn man in einer der urigen Stube sitzt, glaubt man, dass diese Hütte wohl schon seit Jahrhunderten bestehen müsste. Tatsächlich ist die Steinbock-Alm am Hochmais gerade einmal zehn Jahre alt. Thomas Heigenhauser betreibt schon länger ein kleines Hotel und eine erfolgreiche Après-Ski-Bar in Hinterthal. Die Investitionen waren gewaltig, aber eine gut gelegene Skihütte hat sich bis jetzt noch immer gerechnet. Und an den sommerlichen Samstagen finden auf 1.600 Metern Höhe regelmäßig Hochzeiten statt. Der pfiffige Gastronom hat dafür eigens eine stimmungsvolle Kapelle errichtet.
//steinbockalm.at

ALMBAR HINTERTHAL
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Die Almbar in Hinterthal wirkt mit ihrem alten Holz und der rustikalen Architektur wie eine alpine Einkehr im Hochgebirge, tatsächlich liegt sie jedoch unten im Tal und ist bei jedem Wetter problemlos zu erreichen. Auch wenn es in der Almbar mitunter hoch hergeht, steht für Gastgeber Sascha Akin die Qualität des Angebots stets im Vordergrund. Dass sich hier alle so wohlfühlen, hängt mit dem herzlichen und sehr persönlichen Service zusammen.
//almbarhinterthal.at

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