ZEICHEN DER ZEIT

Greifbar ist sie nicht, dafür messbar. Die Zeit ist – so wie der Raum und die Temperatur – ein universales Phänomen, das uns seit jeher beschäftigt. Irgendwann nach der Erfindung der Schrift hat auch unsere Zeitrechnung begonnen, die wir wohl bis in alle Ewigkeit fortschreiben werden, sofern uns nicht etwas Unvorhergesehenes dazwischenkommt. Und: Auch die Zeit ist relativ.
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Verdammt! Schon wieder zu spät! Ein weiteres Mal wurde mein Name im Klassenbuch vermerkt, weil ich erst ein paar Minuten nach dem Läuten der Schulglocke eintraf. Das ist schon lange her, aber dieses Thema verfolgt mich bis heute. Pünktlichkeit ist einfach eine Tugend, mit der ich mich seit jeher schwertue.

Aber was sind schon ein paar Minuten. Juan Sebastián Elcano wurde 1522 vorgeworfen, dass er gleich einen ganzen Tag verschlampt habe. Gut, er hatte als erster Mensch gemeinsam mit 35 Gefährten die Welt umsegelt und wurde bei seiner Rückkehr in Südspanien gebührend gefeiert. Der 6. September 1522, endlich wieder daheim – was für ein Glückstag. Zumindest glaubten die Rückkehrer das. Tatsächlich schrieb man in Spanien aber bereits den 7. September 1552. Die Seefahrer hatten auf ihrer großen Fahrt nicht nur ihren Kapitän Magellan, den Großteil der Mannschaft und vier der fünf Schiffe verloren, sondern auch einen Tag. Zunächst wurde dem nicht allzu viel Bedeutung beigemessen. Hauptsache gesund zurück. Beweis erbracht: Die Erde ist rund. Neue Gebiete für die spanische Krone entdeckt. Versuchte Meuterei nicht aufgeflogen. Belohnung eingesackt. Alles gut.

»Vielleicht gibt es schönere Zeiten; aber diese ist die unsere«

Aber das mit dem fehlenden Tag wurmte Pigafetta, den Chronisten der Expedition. Wie konnte das sein? Schließlich hatte er gewissenhaft jeden Tag im Schiffstagebuch vermerkt. Gelöst wurde das Rätsel nach ausgiebigem Studium alter Schriften. Pigafetta hatte doch nicht geschlampt. Der alte Grieche Heraklit hatte recht, als er behauptete, dass die Erde binnen eines Jahres die Sonne umrundet und sich dabei jeden Tag einmal um die eigene Achse dreht. Folgerichtig „verliert“ man bei einer Erdumrundung einen Tag, wenn man gegen Westen fährt. Gleichzeitig „gewinnt“ man einen, wenn man sie in östlicher Richtung umrundet, was Jules Vernes in seinem Roman „In 80 Tagen um die Welt“ sehr unterhaltsam geschildert hat.

Mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus beginnt 1492 bekanntlich die „Neuzeit“. Damals galt noch der Julianische Kalender, und bis zur Erfindung des Chronometers dauerte es noch mehr als 200 Jahre.
Das Prinzip des Kalendertages mit 24 Stunden, die in 60 Minuten unterteilt werden, die wiederum in 60 Sekunden zerlegt werden können, ist ja einigermaßen schlüssig. Aber zwölf Monate, die unterschiedlich lang sind und dann trotzdem alle vier Jahre einen „Schalttag“ brauchen, damit sich das halbwegs ausgeht? Das klingt nicht wirklich nach kosmischer Harmonie. Eleganter wäre es eigentlich, den Mondkalender zu verwenden, aber
dann würden gewisse Jahrestage im Laufe der Zeit zu unterschiedlichen Jahreszeiten stattfinden, wie das ja beim muslimischen Fastenmonat Ramadan passiert.

Irgendwie, irgendwo, irgendwann

Long, long, long long time ago, before the wind, before the snow. Damals lebte laut den Red Hot Chili Peppers ein schräger Vogel namens Psychosexy. Doch das ist natürlich keine exakte Datumsangabe und auch historisch
nicht belegt. Bevor die Menschen die Schrift erfunden hatten, gab es auch kein Datum. Dass die Zeit vergeht, Menschen älter werden und irgendwann sterben, wird unseren Vorfahren schon bewusst gewesen sein. Dass das Wechselspiel zwischen hell und dunkel täglich passiert und es wiederkehrende Jahreszeiten gibt, „wissen“ selbst einfache Tiere.

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