WIE VIEL WINZER STECKT IM WEIN?

Das Kamptal gilt als Vorreiter von Lagen-, Gebiets- und Ortsweinen. Doch wie wichtig sind Boden und Herkunft wirklich? Wir haben bei einigen der besten Sommeliers des Landes nachgefragt.
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Foto: kamptal.at

Es sind klingende Lagen, die das Kamptal weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt gemacht haben: Steinhaus, Steinmassl, Loiserberg, Heiligenstein, Schenkenbichl, Hasel oder Käferberg – Rieden, die nicht nur als Orientierungshilfe Sinn machen, sondern auch den individuellen Geschmack der Herkunft definieren. „Natürlich macht die Lage einen Sinn, sie ist der Ursprung für die Qualität eines jeden Weins“, sagt der Wiener Spitzensommelier Steve Breitzke (MAST Weinbistro), bevor er ein großes „Aber“ anhängt. „Was aber noch viel mehr wiegt, das ist die Handschrift des Winzers. Die beste Lage ist am Ende nur eine hohle Marke, wenn der Weinbauer sie nicht abbilden kann. Der Einfluss des Winzers auf den Wein ist aus meiner Sicht also bedeutender als die reine Lagenbezeichnung“, sagt der Gault&Millau-Sommelier des Jahres 2016.

»Die Breite an hervorragenden Weinen, die das Kamptal zu bieten hat, ist riesig«
Klima und Böden

Voraussetzungen für einzigartige Weine bietet das Kamptal eine Vielzahl: Das trocken-heiße pannonische Klima mischt sich hier mit den rau-kühlen Lüften des nordwestlichen Waldviertels. Das bedeutet heiße Tage, kühle Nächte und lange sonnige Herbstperioden – perfekte Bedingungen. Dazu kommen die unterschiedlichsten Böden, von Gneis über Löss bis hin zu Lehmböden, die sich direkt an den Ufern des Kamp-Flusses gebildet haben. „Für mich ist das Kamptal jene Region, die ihre Lagen schon immer am besten promotet hat. Zudem war diese Region auch einer der Vorreiter, die die alte Tradition der Ortsweine wiederbelebt haben. Weg von einer Unterteilung in DAC Klassik und Reserve, hin zu mehr Herkunftstypizität“, sagt auch Matthias Pitra, Kompagnon von Steve Breitzke im MAST, das zu den besten Weinbars Europas zählt.

Dieser Meinung ist auch Michèle Metz, Head-Sommelière im „Edelweiß Salzburg Mountain Resort“ in Großarl: „Lagen sind kostbar und machen Sinn. Das Kamptal ist für mich hier ein herausragendes Beispiel. Eine Region mit viel Tradition, die aber immer offen für Neues war und ist. Am Ende ist es die gemeinsame Philosophie aller Winzer, die eine Region prägen kann. Und diese Handschrift hin zu Weinen mit Trinkfluss, zu leichten und bekömmlichen Weinen, die ist im Kamptal sehr klar zu erkennen.“

Keine Etikettentrinker

Für viele Spitzenrestaurants spielt es heute keine Rolle mehr, aus welchem Haus ein Wein kommt – Etikettentrinker wird es zwar immer geben, vielmehr zählt aber die Empfehlung des Sommeliers, wie etwa auch Nikolai Prachensky, Sommelier bei Vier-Hauben-Koch Konstantin Filippou, betont: „Das internationale Publikum in unserem Restaurant ist interessiert an Weinen aus Österreich. Wir bevorzugen hier jene Winzer, die das Wesen ihrer Region abbilden können und Weine machen, die authentisch sind.“ Das Kamptal liefert dazu immer wieder Tropfen, die zu den besten des Landes zählen und inzwischen auch abseits von Grünem Veltliner und Riesling zu überzeugen wissen. „Vor allem im Schaumwein-Bereich spielt das Kamptal hier in einer Liga, die man in dieser Breite und mit diesem Niveau vielleicht so nur noch in Frankreich findet“, sagt Pitra.

»Der Einfluss des Winzers auf den Wein ist aus meiner Sicht bedeutender als die reine Lagenbezeichnung«

Gut zusammenfassen kann es auch Michael Moosbrugger, Leiter des „Schloss Gobelsburg“, dem ältesten Weingut des Kamptals: „Herkunft ist eben niemals nur das Zusammenspiel von Boden, Klima und Rebsorte. Herkunft – und somit auch Lage – hat immer auch mit den Menschen zu tun, die hier mit ihren unterschiedlichsten Philosophien arbeiten. Das gehört einfach mitgedacht, wenn man von Herkunft und Lage spricht. Es steckt also sehr viel Winzer in einem Wein.“

RÜCKBLICK
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»Fantastisch, was das Kamptal an Schaumwein zu bieten hat«
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Führten durch die Veranstaltung: Steve Breitzke und Matthias Pitra (links und rechts) mit Fred Loimer und Michael Moosbrugger (Schloss Gobelsburg).

40 Spitzen-Sommeliers aus Österreich und Deutschland,
20 Top-Winzer, 63 Weine und
ein Thema: Die Macht der Lage.
kalkundkegel.com/bootcampkamptal

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