DER KOMPROMISS MUSS DRAUSSEN BLEIBEN

Simon Taxacher ist in der Öffentlichkeit vor allem in seiner Rolle als begnadeter Koch bekannt. Für den unternehmerischen Erfolg des Kirchberger Familienbetriebs ist es jedoch wesentlich wichtiger, dass die 130 Betten und nicht nur die 35 Sitzplätze des Gourmet-Restaurants gut gebucht sind. Während im Restaurant nur kosmetische Änderungen anstehen, ändert sich beim Hotel im nächsten Jahr sehr viel.
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Foto: Marketing Deluxe
Wenn man mit Ihnen über das Kochen spricht, verwenden Sie oft den Begriff „kompromisslos“. So haben Sie es auch geschafft, das Gourmet-Restaurant an die absolute Spitze des Landes zu führen. Als Hotelier müssen Sie jedoch notwendigerweise gewisse Kompromisse schließen und haben neben den 26 luxuriösen Zimmern im neuen Haus noch 42 Zimmer im alten Haus auf vergleichsweise bescheidenem Drei-Sterne-Niveau. Wie leben Sie mit diesem Kompromiss?

Ganz einfach – wir bauen in nächster Zeit um und positionieren uns neu. Es ist schon wahr, ich will keine Kompromisse, wenn dadurch Beliebigkeit ausgedrückt wird. Kompromisslos bedeutet für mich, ein selbstgestecktes Ziel mit aller Kraft zu erreichen. Das war auch schon in der Vergangenheit so. Ursprünglich haben meine Eltern sehr erfolgreich ein gutbürgerliches Drei-Sterne-Hotel geführt. Das war die Basis dafür, dass ich dort ein Restaurant nach eigenen Vorstellungen machen konnte. Das habe ich dann Schritt für Schritt weiterentwickelt. Als wir vor neun Jahren 18 Punkte im Gault&Millau erreicht hatten, sind sehr viele wohlhabende, aber auch anspruchsvolle Genießer von weither zu uns gekommen, die auch eine adäquate Übernachtungsmöglichkeit gesucht haben. Mir hat es richtig weh getan, laufend Gäste in andere Hotels zu schicken, also haben wir uns entschieden, neben dem bestehenden Haus ein neues Fünf-Sterne-Hotel zu bauen. Das war kein Kompromiss, sondern eine vernünftige Weiterentwicklung. Jetzt steht der nächste Schritt bevor.

Wie führt man zwei so unterschiedliche Hotelkonzepte, die nicht nur im Hintergrund, sondern auch räumlich eigentlich eine große Einheit darstellen?

Indem man ganz genau darauf achtet, dass sich das aus Sicht der Gäste nicht vermischt. Das fängt schon bei den Websites an und wird natürlich auch vor Ort konsequent durchgehalten. Das Hotel Taxacher und das Hotel Rosengarten haben zwei separate Eingänge und sind eigenständige Häuser mit einem eigenen Angebot. Unser kleiner Luxus-Spa, den wir im Vorjahr um einen Pool erweitert haben, steht nur den Rosengarten-Gästen zu Verfügung, für die Taxacher-Gäste gibt es einen eigenen Saunabereich. Mit den beiden Häusern bedienen wir also unterschiedliche Märkte und kommen uns dadurch auch bei der Preispolitik nicht in die Quere. Im Hintergrund ist es aber eine Gesellschaft, was uns bei den operativen Abläufen genauso hilft wie beim Einkauf. Davon profitiert auch das Gourmet-Restaurant, weil ich von unserem Südtiroler Gemüsebauern jene Mengen bestellen kann, die eine laufend frische Anlieferung möglich machen. Das kommt insbesondere unserem Zwei-Hauben-Bistro zugute, das zum Rosengarten gehört.

Und wie bespielen Sie die beiden Häuser operativ? Man sieht Sie ja zumeist in der Kochjacke in der Rolle des Küchenchefs, aber auch Ihre Eltern sind noch vor Ort. Sind sie beim Hotelbetrieb nach wie vor der Juniorchef, oder tragen Sie die alleinige Verantwortung?

Ich bin zwar Koch aus Leidenschaft, führe aber bereits seit elf Jahren das gesamte Unternehmen. Meine Eltern waren sehr froh, dass ich in Kirchberg geblieben bin und ihr Lebenswerk weiterführen wollte. In manchen Betrieben wird die Übergabe viel zu lange hinausgezögert, weil die Eltern einfach nicht loslassen können. Bei uns war das anders. Wir hatten eine dreijährige Übergangsphase, aber dann haben mir meine Eltern das Unternehmen mit 26 Jahren überschrieben. Seit 2008 bin ich für beide Häuser alleinverantwortlich. Meine Partnerin Sandra Kobald managt das Fünf-Sterne-Hotel, meine Mutter kümmert sich ums Housekeeping, und meine Schwester schupft in beiden Häusern den Frühstücksservice. Natürlich bespreche ich größere Investitionen wie die Erweiterung des Hotels Rosengarten sowie den Umbau des Hotels Taxacher in den kommenden Jahren mit meinen Eltern und meiner Partnerin Sandra, aber die Verantwortung liegt letztlich bei mir.

Welche Bautätigkeiten stehen denn konkret an?

Der Rosengarten wird um ein zweites Haus erweitert, wo wir Suiten und deutlich größere Zimmer haben werden. Das Taxacher renovieren wir und werden es ab der Wintersaison, wenn alles klappt, 2020/21 als Vier-Sterne-Hotel führen. Trotz dieses Upgrades werden wir aber weiterhin die beiden Häuser separat positionieren und vermarkten. Schlussendlich werden wir dann 30 Betten in der Fünf-Sterne-Kategorie haben und 45 im Vier-Sterne-Haus. Das ist dann auch operativ eine optimale Betriebsgröße. In der Zeit der Umbauarbeiten wird das Hotel Taxacher geschlossen bleiben, aber im Rosengarten haben wir natürlich offen.

Kitzbühel und Kirchberg sind traditionelle Wintersportorte. Wie schaut es denn mit der Auslastung im Sommer und in den Zwischensaisonen aus?

Auch der Sommer läuft in Kirchberg mittlerweile sensationell. Mit Golf und Mountainbike-Trails hat unsere Region einiges zu bieten. Für uns beginnt der Sommer schon Anfang Mai und reicht bis in den Oktober. Für sportliche Outdoor-Aktivitäten sind Frühling und Herbst ohnehin attraktiver als der Hochsommer im Juli und August. Im April und November haben wir jeweils einen Monat geschlossen, was wir auch aus Mitarbeitersicht unbedingt brauchen. Wenn man ein Restaurant dauerhaft auf diesem Niveau führen will, braucht man ein Kernteam, das über Jahre stabil ist. Als reiner Saisonbetrieb wäre das nicht zu machen. Mit dem Gourmet-Restaurant sprechen wir ganz gezielt Feinschmecker an, die das ganze Jahr lang wegen des Essens zu uns kommen.

Kirchberg hat keinen so klingenden Namen wie Kitzbühel. Wie schaut denn eigentlich die Zusammenarbeit mit dem großen Nachbarn bei der Vermarktung aus?

Sehr gut. Wenn es um Luxushotels oder Gourmet-Küche geht, nehmen uns die Kitzbüheler immer mit. Als wir vor sechs Jahren die vierte Haube bekommen haben, sind auch der Kitzbüheler Bürgermeister Dr. Klaus Winkler und die Tourismuschefin Signe Reisch nach Kirchberg gekommen, um mir offiziell zu gratulieren. Für Genießer spielt es ja auch keine Rolle, wo Gemeindegrenzen verlaufen. Sie urlauben in einer wunderbaren Region mit einem tollen kulinarischen Angebot.

Nach knapp zehn Jahren verlassen Sie im kommenden Winter die elitäre Vereinigung Relais & Chateaux wieder. Wieso eigentlich?

Relais & Chateaux hat ein tolles Image und ist nach wie vor eine starke Marke. Aber die Mitgliedschaft hat auch einen stolzen Preis. Schlussendlich muss jeder Betrieb ganz nüchtern entscheiden, ob sich diese Investition rechnet oder nicht. Ich bin zum Schluss gekommen, dass wir mit den rund 30.000 Euro, die uns das pro Jahr gekostet hat, im direkten Marketing deutlich mehr erreichen können. Bei der Gourmet-Vereinigung Les Grandes Tables du Monde bleiben wir weiterhin, weil ich da vor allem das Netzwerk mit großartigen Kollegen schätze, und das Image passt auch.

Wie schaut Ihre Marketing-Strategie konkret aus? Arbeiten Sie mit Buchungsplattformen und Reisebüros zusammen? Und wie setzt sich Ihr Gästemix zusammen?

Der wichtigste Herkunftsmarkt ist natürlich Deutschland, aber auch Holland und Belgien sind für uns sehr wichtig. Wir arbeiten schon länger mit Reisebüros im Luxussegment zusammen, die uns viele Top-Gäste aus Belgien bringen. Dann folgen Österreich und die Schweiz. Besonders freue ich mich über Südtiroler Gäste, die oft nur für eine Nacht zum Essen kommen, weil das besonders feine Leute sind, die eine echte Freude an gutem Essen haben. Im Winter sind wir dann noch ein bisschen internationaler aufgestellt, auch mit Gästen aus Osteuropa. Russische Gäste haben wir hingegen fast keine mehr, dafür entwickeln sich Länder wie Polen oder Rumänien sehr gut. Auf Plattformen wie Booking muss man auch vertreten sein, aber wir ermuntern Gäste natürlich, direkt bei uns zu buchen.

Bleibt da überhaupt noch Zeit fürs Kochen, oder ziehen Sie die Kochjacke nur noch fürs Foto an?

Ich bin Koch aus Leidenschaft. Es gibt keinen Abendservice, bei dem ich nicht persönlich in der Küche bin. Das gehört für mich einfach dazu. Erfreulicherweise habe ich fürs Gourmetrestaurant mittlerweile zwei Sous-Chefs, die schon lange bei mir sind und genauso ticken wie ich. Außerdem beschäftigen wir noch einen Küchenchef, der für alle anderen kulinarischen Aktivitäten im Haus verantwortlich ist. Das Gourmet-Restaurant läuft bei uns nicht unter „Marketing-Aktivitäten“, sondern ist das leidenschaftliche Herz des Betriebs. Fast die Hälfte unserer 40 Mitarbeiter arbeitet dort mit mir daran, unsere Gäste Abend für Abend zu begeistern. Da bin ich wirklich kompromisslos.

WER&WO
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Der ursprüngliche Taxacherhof hat 42 gemütliche Zimmer auf gepflegtem 3-Sterne Niveau, das zehn Jahre „neue“ 4-Stern-Superior Hotel Rosengarten verfügt über 26 luxuriösen Suiten. Aus Gästesicht handelt es sich um zwei komplett unterschiedliche Betriebe, die allerdings hinter den Kulissen eng verbunden sind. Auch in der Gastronomie verfolgt Taxacher eine 2-Markenstrategie.

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Das Fünf-Sterne-Hotel Rosengarten wird um ein zweites Haus erweitert.

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Auch nach dem Upgrade des Taxacherhofs und dem geplanten Zubau zum Hotel Rosengarten mit neuen Suiten wird die 2-Markenstrategie beibehalten werden. Das legere Bistro ist im aktuellen Gault Millau mit 15 Punkten und 2 Hauben bewertet, das Fine Dining Restaurant Simon Taxacher trägt als eines von nur fünf Restaurants des Landes die Höchstbewertung von vier Hauben.

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Der Spa-Bereich im Fünf-Sterne-Hotel Rosengarten

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Edelste Tischkultur funktioniert auch ohne Tischtuch

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»Mit dem Gourmet-Restaurant sprechen wir ganz gezielt Feinschmecker an, die das ganze Jahr lang wegen des Essens zu uns kommen«
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»Ich bin zwar Koch aus Leidenschaft, führe aber seit elf Jahren das gesamte Unternehmen«
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Herzliche Gastgeber: Simon mit seiner Sandra

Aschauerstraße 46
6365 Kirchberg in Tirol

rosengarten-taxacher.at
hotel-taxacher.com

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