BIER MIT FRUCHT

Im Sommer hat der Radler Hochsaison. Nicht nur Sportler wollen sich mit durch Frucht gemildertem Biergeschmack und wenig Promille erfrischen. Dass die Süße dabei das Bittere überdeckt, kommt nicht nur bei den Damen gut an. Die Geschmacksvielfalt wächst von Jahr zu Jahr.
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Foto: Archiv

Nur im äußersten Westen unseres Landes hat der „saure Radler“ eine nennenswerte Tradition. Wenn es heiß ist und man Durst hat, verlängern schlaue Menschen ihr Bier einfach mit Sodawasser und verringern so den Alkoholgehalt je nach Mischverhältnis mehr oder weniger deutlich. Man sollte glauben, dass das auch ungeübte Konsumenten alleine zusammenbringen, aber die geschäftstüchtigen Leute von der Mohrenbrauerei wollen neben ihren „süßen“ Mohren-Radlern mit Zitronengeschmack (einmal naturtrüb) und Grapefruit-Aroma auch einen sauren Radler im Sortiment haben. Bei diesem wird – so wird versichert – das Bier im Verhältnis 60:40 mit karbonisiertem Gebirgswasser verlängert.

Wie die Frucht ins Bier kommt

Leichte Biere mit frischen Früchten aromatisch aufzupeppen, hat eine lange Tradition. In Belgien werden schon seit Jahrhunderten feine Fruchtbiere hergestellt. Zumeist basieren sie auf leichten, säurebetonten Lambics (siehe auch Lust & Leben 77, Seite 80). Die Herstellung ist aufwendig, der Preis daher sehr hoch. So gut sich derartige Biere als fruchtbetonte Aperitifs in Restaurants eignen, als erfrischendes Sommergetränk gegen den Durst sind sie einfach zu teuer, selbst wenn man sie mit Sodawasser verlängern würde. Und weil man diese Biere mit den Früchten braut, die vor der Haustüre wachsen, verwendet man in Belgien statt Zitrusfrüchten zumeist Kirschen oder Himbeeren.

»Leichte Biere mit frischen Früchten aromatisch aufzupeppen hat eine lange Tradition«

Die Idee, Bier mit Limonade zu mischen, um es weniger alkoholisch und süßer zu machen, ist nicht neu und auf der ganzen Welt verbreitet. In Norddeutschland sagt man dazu etwas abschätzig Alsterwasser, in Süddeutschland und Österreich hat sich der sportliche Begriff Radler eingebürgert. Jahrzehntelang hat man Radler – egal ob in der Gastronomie oder zu Hause – selbst gemischt. Es ist ja auch wahrlich keine Hexerei, Fanta (Sprite, Schartner Bombe, Frucade, Almdudler, etc.) mit Bier im gewünschten Verhältnis zu mischen. Coca-Cola hat es erstaunlicherweise nicht geschafft, sich als Bier-Partner zu etablieren. Tut man es doch, sagt man umgangssprachlich „Diesel“ dazu, doch bietet unserem Wissensstand nach aktuell keine Brauerei einen Bier-Cola-Mix an.

Der Handel als Motor

Es war nicht die Gastronomie, die darauf gedrängt hat, von den Brauereien fix und fertig gemixte Biermischgetränke namens Radler geliefert zu bekommen. Ganz im Gegenteil: Wenn der Wirt den Radler selbst mischt, kann er seinen Gästen mit verschiedenen Limonaden ein wesentlich breiteres Angebot machen und auch auf Sonderwünsche besser eingehen. Im Lebensmittelhandel stellt sich die Situation jedoch ganz anders dar. Wieso soll man die Hälfte jedes Radlers (also den Limonade-Anteil) von einem anderen Unternehmen verkaufen lassen? Als in den 1990er-Jahren die ersten Radler auf rege Nachfrage stießen, sind fast alle Brauereien auf diesen Zug aufgesprungen und bieten seither eigene Radler an. Die Menge hat sich von 70.000 Hektoliter im Jahr 1995 auf 510.000 Hektoliter (2015) mehr als versiebenfacht.

Der überwiegende Anteil der heimischen Radler wird über den Handel und nicht die Gastronomie verkauft. Das zeigt sich auch in den Gebindeformen. Radler vom Fass bleibt die absolute Ausnahme. Gleichzeitig wird die Dose als Gebinde immer beliebter. Dass die Radler den Namen einer Brauerei mit der Bezeichnung des verwendeten Aromas tragen und nicht umgekehrt, hätte nicht so passieren müssen. Das Match hätte auch andersherum laufen können, nämlich dass Limonaden-Hersteller ihre Marke in der Vordergrund rücken und das Bier als markenlose Zutat verwenden. Doch außer Almdudler, das es mit seinem Almradler zu beachtlichen Verkaufserfolgen gebracht hat, hat sich keine andere Limonadenmarke im Radlermarkt etablieren können. Das hat wohl auch mit Vertriebskanälen und dem Marketing zu tun. Große Softdrink-Konzerne (Coca-Cola, Pepsi) wollen nichts mit alkoholischen Getränken zu tun haben, während es für Brauereien imagemäßig kein Problem ist, das Portfolio um ein fruchtiges Biermischgetränk zu erweitern.

Die Geschmackspalette wird immer breiter

Im Laufe der Jahre hat sich der Radler-Markt immer weiter ausdifferenziert. Weil die Konsumenten weniger markentreu als beim Bier sind und gerne Neues ausprobieren, gibt es fast keine Geschmacksrichtung, die im Laufe der Jahre nicht von der einen oder anderen Brauerei ausprobiert wurde. Im vergangenen Jahr hatte Ottakringer – als Ergänzung neben dem Dauerbrenner Citrus-Radler – einen speziellen Mango-Radler im Programm. Heuer gibt es stattdessen einen Radler mit Ingwer-Geschmack. „Weil diese Spezialitäten mit einem Mischungsverhältnis von 60:40 deutlich bierlastiger sind als unser herkömmlicher Citrus-Radler, vermarkten wir diese saisonale Spezialitäten als Helles Plus“, erklärt Stefan Lehninger, Verkaufsleiter Gastronomie von Ottakringer.

Die größte Palette an Radlern hat natürlich Marktführer Brau Union mit seinen zahlreichen Biermarken. Der im Jahr 2007 eingeführte Gösser Natur-Radler ist auch das beliebteste Biermischgetränk des Landes. Ein paar Jahre später folgte nach der klassischen Zitrone eine Kräuter-Variante. Im heurigen März wurde der Gösser Natur-Radler auch in einer alkoholfreien Variante auf den Markt gebracht, die auch weniger Zucker enthält. Bislang wurden die alkoholfreien Biermischgetränke aus dem Haus Gösser als „Kracherl“ in den Geschmacksrichtungen Zitrone und Holunder vertrieben. Im Frühling 2011 hat Zipfer mit dem Limettenradler einen überraschenden Coup gelandet, der heller und spritziger ist als der Gösser Natur-Radler und bis heute nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt hat. Als größte Privatbrauerei des Landes hat Stiegl zwei verschiedene Radler im Sortiment und setzt auf eine natürliche Trübung. Sowohl der naturtrübe Zitronenradler als auch die Grapefruit-Variante werden im Verhältnis 40:60 abgefüllt.

Spezialitäten von Kleinbrauern

Seit Jahren überrascht Murauer Bier mit außergewöhnlichen Varianten und auffälligen Etiketten, die sich deutlich von der Dachmarke abheben. Das „zb“ steht für Zitrone und Bier und wird wie üblich um Verhältnis 40:60 gemischt, „hm“ bedeutet Holunder-Marille, wird 50:50 gemischt und hat als einzige Variante explizit den Begriff Radler am Etikett angeführt. Das Kürzel „pb“ bedeutet Preiselbeer und Bier und besteht aus 60 Prozent Märzenbier und 40 Prozent Preiselbeerlimonade und ist somit auf der bierigen Seite daheim, was sich auch in einem vergleichsweise hohen Alkoholgehalt von 2,9 % niederschlägt. In der Vergangenheit hat Murauer auch aus exotischen Aromen wie etwa Lemongrass Radler-Mischungen hergestellt. Andere Brauereien der österreichischen Culturbrauer-Vereinigung haben einen eher traditionellen Zugang zum Radler-Thema. Bei Zwettler, Schremser und Freistädter setzt man auf Radler mit Zitrusgeschmack, Hirter macht einen Kräuter-Radler.

Radler 3.0 von Trumer

Bei Trumer hat man bis vor kurzem einen großen Bogen um das Thema Radler gemacht. „Wir sind Puristen und wollen unsere klare Markenbotschaft als Pilsspezialist nicht verwässern“, erklärt Trumer-Chef Seppi Sigl. Es gab in der Vergangenheit zwar Ausnahmen wie etwa den „Sigl-Profi-Radler“, der 2014 in der Radlerbox der Culturbrauer vertrieben wurde, doch schon damals wurde bewusst auf ein radikal anderes Erscheinungsbild gesetzt. Trotzdem hat sich der umtriebige Seppi Sigl weiter mit dem Radler-Thema befasst. „Es ist ja nichts dagegen zu sagen, wenn jemand im Sommer sein Bier mit einer Limonade verlängert. Erlaubt ist, was gefällt. Aber ich wollte nicht, dass in unserer Brauerei mit Konzentraten und künstlichen Aromen hantiert wird. Für mich war von Anfang an klar: Wenn wir dieses Thema angehen, dann muss unser Radler absolut natürlich sein und ein Getränk sein, zu dem ich auch als Brauer stehen kann“, erklärt Seppi Sigl.

Bier einfach mit Limonade zu vermischen kam für Sigl daher nicht infrage. Lieber also eine Mischung mit nur leicht gesüßtem Kräutertee. Nach zahlreichen Versuchen fiel die Wahl auf Zitronenverbene, die in Bio-Qualität von Sonnentor bezogen wird. Nach ersten Versuchen mit Kaltmazeration hat Sigl dann doch beschlossen, einen heißen Tee zu kochen, weil das einfach aromatische Vorteile bringt. Und auch bei der Herstellung wurde lange getüftelt, bis Sigl den Zugang gefunden hat. „Wir haben ein Sauerbier nach Märzenart gebraut. Nach dem Läutern wird die Würze über Nacht im Sudhaus gelassen, wodurch die natürlichen Milchsäurebakterien zu fermentieren beginnen. So entsteht ein natürliches Sauerbier, das dem Radler eine lebendige Säure verleiht“, erklärt Sigl. Erst danach wird das Bier mit dem Kräutertee vermischt. So ist ein Qualitätsprodukt entstanden, auf das Seppi Sigl zu Recht stolz ist.

Trotzdem wird nicht unter der Marke Trumer Pils, sondern als Obertrumer Bio-Radler mit Retro-Etikett vermarktet. „Trumer steht für Pils. Punkt! Aber mit Obertrumer haben wir ja eine wunderbare zweite Marke, unter der wir bisher unser Märzen vertrieben haben. Weil unser Radler ebenfalls aus Märzenbier gemacht wird, lag es nahe, unseren Bio-Radler ebenfalls als Obertrumer zu vermarkten“, erklärt Sigl.

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Die geschäftstüchtigen Leute von der Mohrenbrauerei wollen neben ihren „süßen“ Mohren-Radlern mit Zitronengeschmack (einmal naturtrüb) und Grapefruit-Aroma auch einen sauren Radler im Sortiment haben.

Der überwiegende Anteil der heimischen Radler wird über den Handel und nicht die Gastronomie verkauft.
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Die größte Palette an Radlern hat natürlich Marktführer Brauunion mit seinen zahlreichen Biermarken.

Radler 3.0 von Trumer
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Wenn wir dieses Thema angehen, dann muss unser Radler absolut natürlich sein und ein Getränk sein, zu dem ich auch als Brauer stehen kann“, erklärt Seppi Sigl. Sprach und tat es!

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Ottakringer Radler mit Ingwer-Geschmack. „Weil diese Spezialität mit einem Mischungsverhältnis von 60:40 deutlich bierlastiger ist als herkömmliche Radler, wird sie als Helles Plus“ vermarktet.

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Das Kürzel „pb“ bedeutet Preiselbeer und Bier bei Murauer und besteht aus 60 Prozent Märzenbier und 40 Prozent Preiselbeer-Limonade und ist somit auf der bierigen Seite daheim, was sich in einem vergleichsweise hohen Alkoholgehalt von 2,9 % niederschlägt.

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