NUTZEN, SPAREN, VERSCHWENDEN

Wie wir Treibstoff gewinnen und möglichst effizient einsetzen, ist eine Frage, die derzeit viele Menschen beschäftigt. Hohe Energiekosten spielen dabei genauso eine Rolle wie der Wunsch, die Klimaerwärmung zu bremsen.
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Foto: beigestellt

Was Energieverschwendung ist, hängt vom Standpunkt ab. Ein winterlicher Skiurlaub ist genauso wenig „notwendig“ wie sommerliche Ferien am Meer. Ganz egal, ob man mit dem Auto, dem Flugzeug oder dem Zug anreist – man verbraucht Energie.

Jeder Einzelne kann etwas beitragen. Ja, klar. Aber wieso soll ich die Heizung meiner kleinen Wohnung kleiner drehen, wenn manche Singles auf 200 Quadratmeter in größtem Luxus residieren? Ist Wasserskifahren ethisch noch vertretbar? Wenn ja, vielleicht nur mit einem Elektroboot? E-Bike fahren ist grün, oder? Aber ohne E-Motor ist man noch grüner, stimmt’s? Fast alles, was im Leben Spaß macht, kostet Energie.

Privat soll es jeder halten, wie er will und sich seinen kleinen Luxus gönnen oder eben darauf verzichten. Doch als Hotelier die Sauna nur mehr lauwarm zu befeuern oder den Pool nur mehr auf sportliche 20 Grad zu beheizen ist kein vernünftiger Beitrag zu mehr Klimaneutralität. Ein Urlaubshotel ist per definitionem ein Ort der „Energieverschwendung“, den man besucht, um es sich gut gehen zu lassen.

Kuschelthema wird Überlebensfrage

Und doch ist ein bewusstes Managen des Energieverbrauchs aufgrund der dramatisch gestiegenen Treibstoffpreise in der Hotellerie zu einer Überlebensfrage geworden. Die gute Nachricht: Überall dort, wo viel Energie verbraucht wird, gibt es große Einsparpotenziale. Noch vor nicht allzu langer Zeit war Energiesparen in der heimischen Hotellerie noch ein Kuschelthema, das hauptsächlich in der Marketingabteilung angesiedelt war: Der Kräutergarten hinterm Haus, das Fleisch vom Bio-Bauern und die Stromtankstelle für die E-Bikes – all dies signalisiert den Gästen: Wir sind grün!

Doch wo anfangen und wo aufhören? Darf man den Kamin noch mit echtem Feuer beheizen? Sind Heizschwammerl im Außenbereich ein No-Go geworden? Auch wenn man sie mit selbst produziertem Öko-Strom beheizt? Macht das Umrüsten auf Elektrofahrzeuge tatsächlich Sinn oder ist die Anschaffung eines Teslas für den Chef nur eine symbolträchtige Geste?

Neidvoll blickt so mancher Hotelier auf Nachbarn, die sich schon länger mit der Thematik beschäftigen und in entsprechende Maßnahmen investiert haben. „Immer wieder rufen mich Kollegen an und fragen, wie wir das geschafft haben, aber in ein paar Sätzen lässt sich nicht zusammenfassen, wie wir unser Boutiquehotel Stadthalle zu einem Null-Enerige-Haus umgestaltet haben“, erklärt die Besitzerin Michaela Reitterer. Es waren viele kleine Schritte über viele Jahre hin zu einem großen Ziel.

Harte und weiche Faktoren

Der Begriff Null-Energie-Haus ist ein bisschen irreführend, denn natürlich wird in jedem Betrieb Energie verbraucht. In einem winterlichen Urlaubshotel mit großer Wellness-Anlage sogar richtig viel. Auch im Boutique-Hotel Stadthalle müssen die Gäste nicht auf heißes Wasser oder warme Zimmer verzichten. Null-Energie bedeutet lediglich, dass man übers Jahr betrachtet zumindest so viel Energie erzeugt, wie man verbraucht. Trotz zahlreicher Förderungen ist der Einbau von Solarpaneelen oder die Nutzung von Erdwärme eine kostenintensive Maßnahme, die sich nicht überall im gleichen Maß lohnt. Auch die Möglichkeit, selbst Strom zu erzeugen, ist in der Stadt sehr eingeschränkt. Einsparungspotenziale gibt es jedoch in jedem Betrieb.

Selbst kleine Sofortmaßnahmen ergeben in Summe messbare Einsparungen. Licht ausschalten, Heizkörper regelmäßig entlüften und reinigen, den Standby-Modus bei technischen Geräten ausschalten, Sensoren für Licht, etc. Die Wirtschaftskammer hat spezielle Check-Listen für Hoteliers erstellt, die ein rasches Handeln ermöglichen.

Reitterer rät in jedem Fall mit einer Bestandsaufnahme des Status quo zu beginnen und diesen in Zahlen zu fassen, damit man die sinnvollsten Maßnahmen zuerst setzen kann. Ein altes Haus von Grund auf zu isolieren, ist ein teures Unterfangen, das sich manchmal auch in vielen Jahren nicht rechnet. Ein moderner Induktionsherd bringt viel, wenn eine Renovierung der Küche ansteht und diese auch regelmäßig genutzt wird. Hat man einen relativ neuen Gasherd, den man nur für die Halbpension nutzt, wird es schlauer sein, in andere Bereiche zu investieren. Professionelle Energieberater, die es in allen Bundesländern gibt, sind unverzichtbar, um die individuell beste Strategie zu finden.

Neben Investitionen in die Hardware, birgt auch die Software – also Mitarbeiter und Gäste – enormes Potenzial für eine effizientere Energienutzung. Schon über die individuelle Steuerung der Zimmertemperatur kann man viel erreichen. Bei der Kommunikation mit den Gästen ist allerdings viel Fingerspitzengefühl gefordert. Wer seinen Gästen mit strengen Vorschriften zum Energiesparen motivieren will, wird kaum unbeschwerte Urlaubsgefühle vermitteln können.

Gemeinsame Lösungen finden

Nach Lech fahren schon lange kein Tankwagen mehr, um Ölspeicher zu befüllen. Der ganze Ort wird mit Fernwärme aus dem gemeindeeigenen Biomasse-Kraftwerk versorgt. Seit 2010 hat auch Oberlech sein eigenes Biomasse-Kraftwerk, das mit nachwachzung sendem Holz aus der Umgebung befeuert wird. Effiziente Energieversorgung ist am besten in einem gemeinsamen Verbund erzielbar. Auch für die Stromerzeugung bieten sich gemeinschaftliche Initiativen an, die je nach Lage und Bedarf sehr unterschiedlich ausfallen können (Solar, Wind, Wasserkraft). Ziel ist es dabei, erneuerbaren Strom gemeinsam zu erzeugen, zu speichern und zu nutzen. Man muss dabei nicht unbedingt auf die Gemeinde warten, auch private Initiativen sind möglich (siehe auch Seminartermin).

Selbst Strom erzeugen

Wenn man als großes Hotel selbst genug Öko-Strom produziert, können hohe Energiepreise sogar ein Segen sein. Steigen die Preise, die man fürs Einspeisen von Öko-Strom ins öffentliche Netz bekommt, verdient man mehr. Ganz so einfach ist diese Rechnung natürlich nicht. Egal, ob man am Bach hinterm Haus ein Mini-Kraftwerk bauen will oder plant, die Umgebung mit Sonnenkollektoren zuzupflastern – zunächst fallen einmal hohe Investitionen an.

Außerdem gibt es oft Gegenwind aus unerwarteter Richtung. Nicht Öl-Multis oder Stromanbieter blockieren solche grünen Initiativen, sondern Umweltschützer. Ob groß oder klein – Wasserkraftwerke beeinträchtigen Ökosysteme und werden mitunter wie bei der Besetzung der Hainburger Au im Dezember 1984 durch Aktivisten verhindert. Fast jeder Windpark wird von lokalen Bürgerinitiativen bekämpft und auch das großflächige Anbringen von Solarpaneelen ist in der freien Natur aus Gründen des Landschaftsschutzes nur eingeschränkt möglich. Umweltverträglichkeitsprüfungen, die sich oft über viele Jahre ziehen, machen so manchem Öko-Strom-Projekt einen Strich durch die Rechnung.

Nach wie vor ungelöst ist das Problem der Speicherung von Öko-Strom, weil dieser zumeist nicht permanent produziert werden kann und oft genau dann fehlt, wenn man ihn bräuchte. Mehr dazu auf der nächsten Seite.

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Seminar Energiegemeinschaften

Am 8. Juni findet in der ARS Akademie in Wien ein ganztägiges Seminar zum Thema Energiegemeinschaften statt, bei dem über den rechtlichen Rahmen,
Finanzierung, Abrechnung und alle anderen praxisrelevanten Fragen informiert wird. Die Referenten sind Dr. Bernadette Fina, DI Michael Niederkofler und Mag. Wolfgang Lusak.

Infos & Anmeldung:

www.lusak.at

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Idyllische „Batterien“ hoch über Lech:

In den 1920er Jahren wurde der Spullersee mit einer Staumauer versehen und zu einem 50 Hektar großen Wasserspeicher erweitert

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