DER MANN AUS DEN BERGEN

Erich Tiefenthaler zelebriert in seiner Skilounge Lisa Alm in Flachau Alpen-Halligalli besten Stils. Danach kann man nach so viel Hüttengaudi in seinem Hotel Lisa im Tal klein, fein und persönlich übernachten.
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Legenden sterben nie. Erich Tiefenthaler als Gastgeber mit seinem Schmäh für unglaubliche Geselligkeit und positive Stimmung.
Foto: Andreas Kolarik

Er lacht gerne. Und laut. Erich Tiefenthaler ist einer jener Gastronomen und Hoteliers, die erkannt haben, dass es im Leben nicht nur Probleme gibt, sondern auch viele Lösungen. In seinem früheren Leben war er Angestellter einer Versicherung und professioneller Tennisspieler. Und er half auch immer wieder im elterlichen Betrieb, dem Hotel Lisa, aus, in dem ein damals noch nicht weltbekannter Hermann Maier als Baupolier beim Umbau 1994 fungierte. Erich, der Mann aus den Bergen – so unterschreibt er oft und gerne seine E-Mails. Er schätzt die Region rund um Flachau, besteht auf deren Wertschöpfung. Entspannung findet der Umtriebige beim Fliegenfischen. Wir durften schon vor dem Winter-Saisonbeginn im Hotel und auf der Alm nach dem ersten Schneefall im Oktober zu Gast sein.

Seit wann gibt es denn das Hotel Lisa schon?

Eigentlich ist das Haus gar nicht als Hotel gedacht gewesen, sondern als privates Wohnhaus meiner Eltern. Mein Vater war aus der Gegend und ein begeisterter Skifahrer. Eigentlich wollte er immer eine Skihütte für sich, geworden ist es dann ein Grund im Tal. Eröffnet haben wir 1981 mit 11 Zimmern.

Wie hat es sich verändert?

Das Hotel ist ständig gewachsen. 1994 haben wir umgebaut, Hermann Maier war damals unser Baupolier. Vier Jahre später war er dann schon Doppel-Weltmeister (lacht). 2008 haben wir nochmals umgebaut, 2011 renoviert. Jetzt haben wir 27 Zimmer, in denen man klein, fein und persönlich übernachten kann.

Die Alm kam ja erst viel später dazu …

Ein Freund fragte mich vor einigen Jahren nach einem Traum, den ich mir gerne erfüllen würde, wenn ich könnte. Da kam spontan: Eine Skihütte auf der Alm! Von den ersten Plänen bis zur Eröffnung im Dezember 2010 dauerte es allerdings länger. Mein Sohn Christopher und ich haben für die Lisa Alm, die auf 1.520 Meter liegt, übrigens händisch einen alten Stall unten in Flachau abgetragen und das alte Holz wieder verwendet. Der Bauer war ganz verblüfft, dass er dafür auch noch Geld bekam. Bei der Eröffnung hatte er Tränen in den Augen, weil sein Stall nochmals so schön verarbeitet wurde.

Wie hat sich die Skilounge dann entwickelt?

Wir sind von der Größe her nicht so explodiert, denn ich wollte keinen Selbstbedienungs-Laden. Und der Erfolg hat uns Recht gegeben. Im Hotel bieten wir nun auch keine Halbpension an, weil wir ja die Alm haben. Jetzt sind wir ein Hotel Garni, mit einem ausgiebigen Frühstücksbuffet. Außerdem haben wir in Flachau ein tolles Angebot an Restaurants.

Kann man in der Lisa Alm auch essen?

Ich beschäftige das ganze Jahr einen Koch. Unser Küchenchef ist Markus Pfeiffenberger. An einem guten Tag haben wir 800 Essen. Der Markus ist eine Koryphäe, nicht nur was das Kochen betrifft, sondern auch in Sachen Organisation. Er war ja bei Do & Co. Er zaubert mit seinem jungen und innovativen Team neben dem normalen Hüttenbetrieb auch ein 7 Gänge-Menü. Bei uns bekommt man „echtes“ Essen – inspiriert von der Natur und ihren Produkten. Deshalb verwendet das Küchen-Team auch Regionales, abgestimmt auf die Saison. Ganz verliebt sind unsere Gäste in den Sauerrahm-Schmarrn.

Du legst großen Wert auf die Wertschöpfung der Region.

Wir bieten eine vielfältige Karte. Das große Motto lautet: Gibt’s nicht, gibt’s bei uns nicht. Das reicht von Würstln bis zum Hummer auf Vorbestellung. Wir haben bei der Lisa Alm je ein eigenes Kühlhaus für die Bereiche Fleisch, Gemüse, Tiefkühlkost und Patisserie gebaut. Wir sind im Besitz einer eigenen Jagd und haben Fische aus eigener Aufzucht. Wir kaufen von den Einheimischen ganze Kälber und setzen auch aufs Tauernlamm.

Die Lisa Alm fällt durch ihr gutes Getränke-Angebot auf.

Bei uns wird keiner ausgeschlossen – egal ob er Wasser oder Champagner trinkt! Wir verkaufen übrigens so viel Champagner und Wein wie Bier. Anfangs dachte ich, dass ich unbedingt auch 0,375 Liter Weinflaschen anbieten müsse – aber die sind Ladenhüter. Da werden schon die ordentlichen Bouteillen getrunken (lacht). Und Parade-Winzer Leo Hillinger hat für uns den Hill Lisa, einen Prosecco Rosé, kreiert. Einen Euro pro verkaufter Flasche spendet Leo dann an die Krebshilfe. Auf der Karte stehen 60 Weine. Gut gehen auch die 6l und 9l Flaschen von Belvedere Vodka. Die Champagner-Preise reichen bis zu 2.750 Euro für Yellow Label Veuve Clicquot. Wir machen hier Ibiza Life – umgelegt auf die Alpen. Das Konzept wurde von der ersten Minute an angenommen.

Du wirst von Deinem Team und vor allem von Deinem Sohn Christopher sehr unterstützt.

Ja, er arbeitet super mit. Mein Tag beginnt zwischen 6.00 und 6.30 Uhr, dann gibt’s Frühstück fürs gesamte Team. Danach fährt das gesamte Küchenteam auf die Lisa Alm und beginnt ab 8.00 Uhr zu kochen. Vor 11 Uhr gibt’s allerdings kein Essen, weil alles frisch gemacht wird. Auf der Alm haben wir bis zu 22 Mitarbeiter.

Wie sorgst Du für Dein Personal?
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Wer gutes Personal will, muss für seine Mitarbeiter sorgen.
Foto: Andreas Kolarik

Abgesehen vom guten Gehalt, sind Einzelzimmer in eigenen Mitarbeiter-Häusern für uns eine Selbstverständlichkeit. Wir haben viele Einheimische aber auch Internationale. Unsere Gäste sind oft ganze Gruppen aus Tschechien und Holland – die mögen unsere Mitarbeiter in der kurzen Lederhosen-Uniform. Anfangs wollten wir die Mädls ins Dirndl stecken – heute bin ich froh, dass wir das nicht gemacht haben. Also haben sie halt auch eine kurze Hose (schmunzelt). Deswegen kommt der Gast nach Österreich – die stehen auf unseren Lederhosen-Schmäh!

Eine Art Mitarbeiter ist ja auch Euer ganz spezielles Pistengerät.

Codename: Schwarze Mamba! Damit befördern wir Gäste wie Mitarbeiter. Bei uns kann man auf der Lisa Alm auch herrlich versumpfen – wir bringen die Gäste dann als besonderen Service sicher ins Tal oder auch rauf auf die Alm. Die Mamba haben wir übrigens umbauen lassen – sie ist mit Heizung und Musikanlage ausgestattet. Da können die Damen unten im Tal dann auch im Abendkleid und in High Heels zusteigen. Der Hermann Maier nahm sich allerdings einmal ein anderes Vehikel für die Abfahrt von der Alm – seitdem machen wir auch ein Schneeschaufel-Rennen.

Wie belebst Du das Geschäft auch unter dem Jahr?

Ich habe lange überlegt, was ich machen könnte. Dann ist uns neben der Event-Idee auch eine ganz spezielle gekommen – in der Lisa Alm kann man nun „über den Dächern von Flachau“ heiraten. Da vermieten wir die ganze Alm, die Hochzeitsgesellschaft kann auch unten im Hotel wohnen. Die meisten bleiben nun gleich Donnerstag bis Sonntag. Eines der Highlights ist sicher die standesamtliche Trauung im Flachauer Renaissance-Juwel Schloss Höch. Auf der Alm gibt’s dann die Party – und das Brautstehlen kann bei uns mit dem Hubschrauber erledigt werden (lacht)!

Was hat es mit dem Fliegenfischen auf sich?

Ins Hotel Lisa kommen viele internationale Fliegenfischer, sogar aus Shanghai und Tokio. Die schätzen unsere eigenen Gewässer– Teiche mitten im Wald und auch Wasserfälle. Fliegenfischen ist wohl für mich und andere so eine Art Natur-Yoga geworden – man fängt den Fisch und lässt ihn wieder frei.

Woher beziehst Du Deine Kraft?

Die Gäste geben mir so viel positive Energie und ich krieg’ dadurch so viel zurück. Ich freue mich auf unsere Eröffnung am 14. Dezember und den Winter, und das nicht nur, weil mir langsam das Geld ausgeht … (lacht laut)!

Erich Tiefenthaler (R.I.P.)
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"Wir machen hier Ibiza-Life – umgelegt auf die Alpen.”
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„Gibt’s nicht, gibt’s bei uns nicht!”

Motto der Speisekarte

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Die Gäste geben mir so viel positive Energie und ich krieg’ dadurch so viel zurück.

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20 JAHRE RETROSPEKTIVE
Ausgabe 47 // 2013
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