THE BIG KAHUNA

Dass heute auf allen Weltmeeren gesurft wird, ist Duke Kahanamoku zu verdanken. Nach dem ersten Weltkrieg hat der das Surfen zuerst nach Südkalifornien und dann nach Australien gebracht.
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Foto: Wolfgang Schedelberger

Als Duke Kahanamoku 1890 auf die Welt kam, war Hawaii noch ein selbstständiges Königreich. Kurz darauf wurde es von den USA annektiert. Für sein tägliches Leben hatte dieses Ereignis zunächst keine Folgen. Er war ein „Wassermann“, der jede freie Minute am und im Meer verbrachte. Duke war ein ausgezeichneter Fischer, Paddler, Schwimmer und Surfer. Am 11. August 1911 nahm er am ersten offiziellen Schwimmwettkampf im Hafenbecken von Honolulu teil und gewann sowohl die 100 als auch 220 Yards in beeindruckender Manier. Als die gemessenen Zeiten aufs Festland übermittelt wurden, regten sich sofort Zweifel. Im fernen Hawaii soll jemand bei einem Wettkampf im offenen Meer gleich zwei Weltrekorde pulverisiert haben? Unmöglich!

Die Anerkennung dieser Weltrekorde blieb ihm verwehrt, aber immerhin durfte der Neo-Amerikaner in Kalifornien seine Zeiten bestätigen – für die Reisekosten haben Nachbarn und Freunde zusammengelegt. Dass er für die USA bei Olympia starten durfte, war dennoch nicht gleich klar. Schwarzen afrikanischer Abstammung war die Teilnahme ja untersagt, und auch Duke erschien auf der ersten Blick sehr dunkelhäutig. Es überwogen dann aber doch Überlegungen, dass die Teilnahme eines äußerst populären Hawaiianers im US-Team ein kräftiges Symbol für die Zugehörigkeit des neuen Inselstaates sein könnte. Bei den Spielen 1912 in Stockholm wurde er über hundert Meter auf Anhieb Olympiasieger, mit der Staffel holte er Silber. Amerika hatte seinen ersten exotischen Sportstar. 1916 wäre er im besten Schwimm- Alter gewesen, um weitere Olympia- Medaillen abzuräumen, aber der Erste Weltkrieg verhinderte die Spiele, also musste er bis 1920 warten, wo er dann in Antwerpen Doppelgold (Solo über 100 Meter Kraul und mit der Mannschaft) holte. 1924 trat er trotz seines schon relativ hohen Alters in Paris noch einmal an und holte hinter „Tarzan“ Johnny Weissmüller eine weitere olympische Silbermedaille.

Duke war ein neugieriger junger Mann, der seinen Ruhm nutzte, um sich die Welt anzuschauen. Seine Reisen finanzierte er mit Schwimmdemonstrationen. In Australien war er von den Wellen derart begeistert, dass er ein paar Wochen anhängte, sich ein eigenes Brett schnitzte und den staunenden Aussies zeigte, wie viel Spaß man damit in den Wellen haben kann. Auch die ersten Surfclubs in Malibu und San Diego (Corona und Del Mar) gehen auf Besuche des hawaiianischen Wassermanns zurück. Mit Filmauftritten in Hollywood verdiente er sich zwischen 1924 und 1932 ein bisschen Geld dazu, doch im Gegensatz zu Johnny Weissmüller, der als gut aussehender Weißer Hauptrollen angeboten bekam und zum Hollywoodstar wurde, musste sich Duke mit mäßig bezahlten Nebenrollen als „edler Wilder“ begnügen.

Als er schließlich 1932 mit 42 Jahren nach Hawaii zurückkehrte, hatte er keine Berufsausbildung, aber jede Menge Ansehen. Auf der Suche nach einem passenden Job ließ er sich zum Sheriff von Honolulu wählen und bekleidete dieses Amt bis zu seiner Pension im Jahr 1961. Sieben Jahre später starb er friedlich. Seine Asche wurde nach einem feierlichen Festakt am Strand über den Wellen von Waikiki verstreut. In seinem Andenken wird seine Statue am Waikiki-Beach täglich mit frischen Blumenkränzen geschmückt.

Das Surfen hat sich seit Dukes Zeit stark weiterentwickelt, doch er hatte die Basis für die weltweite Popularität des Sports gelegt. Seine aus Massivholz geschnitzten Longboards wogen über 50 Kilogramm und hatten keine Finnen. Die funktionierten in der ruhigen Bucht von Waikiki, wären aber an den heutigen Surf-Hotspots am Northshore von Oahu unfahrbar gewesen. Was die heutigen Profis dort bei den Pipe Masters Jahr für Jahr zeigen, hätte ihm sicher Respekt abgenötigt.

Ho’okipa auf Maui ist einer der berühmtesten Surfspots der Welt.
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Es sollten wegen der Säure der Blumen zwar keine auf die Bronzestatue des Dukes am Waikiki Beach geworfen werden, aber es gibt keinen Tag ohne Leis ;)
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Wassermann und Zimmermann: Der Duke schnitzte seine Boards selbst – seine Longboards wogen über 50 kg.

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