KAFFEMARKT IM UMBRUCH

Das Vienna Coffee Festival bewies in seiner siebenten Auflage erneut die Themen-führerschaft, wenn es um Innovationen, Trends und Lebenslust rund um Kaffee geht. Dieses Jahr im Fokus: die Verbindung zwischen Qualität und gelebter Nachhaltigkeit.
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Foto: Christina Karagiannis & Rainer Fehringer

Die Stimmung der heimischen Kaffeeszene ist ausgezeichnet. Und das mag etwas heißen nach Pandemie, wetterbedingten Ernteausfällen in den Kaffee-Herkunftsländern, Lieferengpässen und einem aktuell überhitzten Kaffeemarkt mit potenziell steigenden Preisen. „Krisen befördern immer auch viele Wahrheiten an das Tageslicht“, sagte bei der Eröffnung des 7. Vienna Coffee Festivals in der Ottakringer Brauerei Christina Meinl, Geschäftsführerin von Julius Meinl Austria. „Und das bedeutet für unsere Branche, dass schon bestehende Trends wie Nachhaltigkeit und Qualität noch stärker befeuert wurden. Erstmals beobachten wir den Wunsch der Konsumenten nach einer Kombination aus beiden – nämlich Nachhaltigkeit immer in Verbindung mit Qualität. Etwas, das nicht zuletzt die Speciality-Coffee-Szene seit Jahren vorlebt.“

»Nachhaltigkeit ist längst kein Lippenbekenntnis mehr, sondern wird aktiv von den Konsumenten eingefordert«

Insgesamt konnten sich beim Vienna Coffee Festival an die 6500 Besucher ein Bild von der neuen Dynamik der heimischen Kaffeeszene machen – es war zugleich der größte Koffein-Kick Österreichs mit mehr als 60 Ausstellern, über 100 Markenartikeln, Kaffee aus aller Welt und spannenden Wettkämpfen. Die bestimmenden Themen an den drei Veranstaltungstagen lauteten Nachhaltigkeit und Qualität, wie auch die beiden Veranstalter Günter Stölner und Günther Gapp bestätigen: „Kaffee wird in Österreich heute in einer so hohen Qualität wie nie zuvor getrunken. Was sich durch die Pandemie und die Lockdowns verändert hat: Die Menschen wollen die Barista-Qualität und die unterschiedlichsten Zubereitungsmethoden, die sie aus der Gastronomie kennen, auch zu Hause erleben. Dazu kommt, dass Nachhaltigkeit längst kein Lippenbekenntnis mehr ist, sondern aktiv von den Konsumenten eingefordert wird.“

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Super Stimmung bei der Bühne am Vorplatz
Foto: Christina Karagiannis & Rainer Fehringer

Das bestätigt auch Fritz Kaltenegger, Sprecher der Geschäftsführung von café+co International, der jedoch auch eine Preisanpassung bei Kaffee zwischen fünf und zehn Prozent prognostiziert (siehe Interview): „Das ist aber im Rahmen, denn die Qualität des Kaffees am heimischen Markt ist so hoch wie noch nie.“ Und das gilt nicht nur für den Kaffee, sondern wie im Fall von café+co auch für den Becher, aus dem der Kaffee getrunken wird. 400 Millionen Becher sind das pro Jahr – bereits vor zwei Jahren hat café+co mit der Umstellung von Kunststoff auf Pappbecher begonnen. Inzwischen sind es mehr als 200 Millionen Pappbecher, die pro Jahr im Umlauf sind. Laut Kaltenegger soll das Plastik bis Ende kommenden Jahres weitestgehend aus den rund 60.000 Geräten, die café+co als Full-Operating-Partner betreibt, verschwunden sein.

Dieser Nachhaltigkeitsgedanke treibt die gesamte Branche an – von den Kaffeeproduzenten und -röstern bis hin zu den Wasseraufbereitern –, denn immerhin besteht Kaffee zu 98 Prozent aus Wasser. Europaweit führend im Know-how, bei innovativer Technologie und qualitativ hochwertigen Produkte für perfekte Wasserqualität ist BWT, ein österreichisches Unternehmen mit Sitz in Mondsee. Hier wurde nun auch eine eigene Recyclinganlage umgesetzt, die eine gezielte Wiederverwertung gebrauchter Filterkartuschen leistet und damit einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leistet. „Die Resultate sind Reduktion von Abfall, Aufbereitung wertvoller Materialien sowie die wichtige Einsparung von Rohstoffen und Energie“, sagt Wolfgang Stangassinger, Geschäftsführer von BWT Austria. Von einer gebrauchten Filterkartusche mit Ionentauscher können 99 Prozent wiederverwendet werden. Stangassinger: „Nachhaltiges Agieren wird in der Branche heute seriös umgesetzt.“

„Nur wenn wir verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen umgehen, hat unsere Landwirtschaft eine Zukunft“, sagte Kärntnermilch-Geschäftsführer Helmut Petschar bei der Eröffnung des Vienna Coffee Festivals. Und hier war das Unternehmen mit Sitz in Spittal an der Drau schon immer Vorreiter: Bereits 1994 hat man begonnen, Bio-Milch zu Bio-Produkten zu verarbeiten. 2006 erfolgte die Umsetzung der 100-prozentigen gentechnikfreien Milchproduktion, seit 2016 verzichten die Bäuerinnen und Bauern von Kärntnermilch auf den Einsatz von Glyphosat.

Ein Liter des Hafergetränks Oatly verursache im Vergleich zur Kuhmilch 80 Prozent weniger Treibhausgasemissionen, eine 79 Prozent geringere Landnutzung und einen um 60 Prozent niedrigeren Energieverbrauch, rechnet man dagegen beim schwedischen Unternehmen die Milchalternative vor. Nun will man im kommenden Jahr noch einen Schritt weitergehen, berichtet Marike Paulsen, der Teamlead Barista DACH für Oatly, und bringt für Kaffeeläden eine Guideline heraus, wo es darum geht, wie man in dieser Branche noch nachhaltiger arbeiten kann – von CO2-Einsparungen bis hin zur Müllvermeidung.

Das Vienna Coffee Festival hat sich in den vergangenen Jahren auch immer wieder als spannender Ort für die Vorstellung neuer Produkte etabliert. Nun kann man zwar nicht behaupten, dass die Marke Costa Coffee neu wäre. Was aber neu ist, das ist die Einführung der weltweit zweitgrößten Kaffeehausmarke am österreichischen Markt. Um Costa Coffee dem heimischen Fachpublikum vorzustellen, waren Zhanna Alanova, die New-Business-Direktorin bei Coca-Cola HBC Österreich, und Senior-Brand-Managerin Katharina Walzl vor Ort. 2019 erweiterte Coca-Cola nämlich das Portfolio mit der Übernahme von Costa Coffee und launcht den Brand nun auf Märkten wie Bulgarien, Polen, Ungarn und auch Österreich.

Vollständige Reportage im Heft#89

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Festival-Veranstalter: Günther Gapp und Günter Stölner sind seit Jahren - mit internationaler Anerkennung – die Brückenbauer für immer mehr Kaffee-Qualität in Österreich

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Hochprozentiges und Kaffee hat sich geändert. Weniger Alkohol und bewusster Genuss sind heute hip, wie Patrick Korsche mit Licor 43 gekonnt zeigte.

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Barista-Kunst vom Feinsten bei der MUMAC Academy

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Live-Auftritte, Coffee-Tasting, Live-Painting, Latte-Art-Workshop und vieles mehr gab es beim diesjährigen Vienna Coffee Festival.

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Shane Ó'Fearghail & The Host auf der Bühne am Vorplatz

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