MEIN FRÄULEIN JOSEFINE

Manfred Stallmajer hat eine neue Liebe gefunden. Auch wenn sich seine Josefine im Stil der 1920er-Jahre präsentiert, ist ihr Auftritt auf der Höhe der Zeit. Das neue Hotel in Wien-Mariahilf ist eines der stimmungsvollsten Häuser der Stadt.
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Viele originelle Details ergeben ein stimmiges Gesamtkunstwerk
Foto: Otto Michael
Sie haben vor wenigen Tagen ein neues Hotel aufgesperrt. Allerdings fehlen in Wien, verglichen mit 2019, immer noch rund 80 Prozent der internationalen Gäste. Wie wollen Sie das Hotel Josefine in Zeiten wie diesen trotzdem voll bekommen?

So schnell werden wir unser Haus nicht voll bekommen, aber das ist auch nicht weiter tragisch. Wir werden jedenfalls nicht bei den Preisen „schleudern“, um kurzfristig höhere Auslastungen zu generieren. Wir wollen den Betrieb langsam hochfahren und können den ersten Gästen dadurch einen besonders aufmerksamen Service bieten. Letzte Kinderkrankheiten, die es bei einem neuen Haus immer gibt, können wir dann auch beheben, ohne dass es die Gäste mitbekommen. Es ist also eine Art Soft Opening. Im Laufe des kommenden Jahres werden die Nächtigungszahlen in Wien wieder steigen und dann wird auch die Josefine voll sein. Die Reisebeschränkungen haben vor allem die Stadthotellerie hart getroffen. Gleichzeitig ist so ein Hotelprojekt ja auf Jahrzehnte hin ausgerichtet. Ich bin daher sehr optimistisch. Auch diese Krise wird wieder vorbeigehen.

Das hoffen wir auch. Die Entscheidung, diesen Standort neu zu entwickeln, ist vor Corona gefallen. Das damalige Hotel Fürst Metternich war ziemlich heruntergekommen und hat zuletzt nicht mehr funktioniert. Was hat Sie an diesem Objekt gereizt?

Die Lage und der Stil des Hauses sind außergewöhnlich. Und Wien hatte vor Corona noch viel Potenzial für mittelgroße Individual-Hotels in guter Lage. Das wird auch nach der Rückkehr der internationalen Gäste wieder so sein. Obwohl die Einrichtung total abgewohnt war, habe ich mich sofort in dieses Objekt verliebt und das Potenzial erkannt, das sich hier verbirgt. Neben der Fassade war es vor allem das alte Stiegenhaus, das mich sofort begeistert hat. Wir haben also zu träumen begonnen. Dann haben wir gerechnet. Und dann haben wir uns entschieden.

Wie teuer ist es, ein abgewohntes Hotel wieder in Schwung zu bringen? Wahrscheinlich ging es nicht nur um die Neugestaltung der Zimmer?

Das war der geringste Anteil, wenngleich wir auch hier alles in Top-Qualität umgesetzt haben, von den handgefertigten Matratzen bis zu den Möbeln und den Bädern. Das meiste Geld sieht man gar nicht. Wir haben sämtliche Leitungen getauscht und das ganze Haus klimatisiert. Nachdem unser grundlegendes Konzept fertig war, haben wir Daniel Hora von Megatabs mit der Umsetzung beauftragt. Die Farbgebung in „berry-red“ ist mutig, schafft aber eine tolle Atmosphäre. Die Details haben wir mit mehreren Musterzimmern entwickelt. Das Haus strahlt den Stil der 1920er-Jahre aus und ist trotzdem absolut zeitgemäß.

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Alles in Top-Qualität von handgefertigten Matratzen bis zu den Möbeln und den Bädern
Foto: Otto Michael
Eine seriöse Finanzierung ist zweifellos wichtig. Sie sind aber auch ein Freund von schönen Dingen. Wie wichtig ist Ihnen Kunst und Kultur im Haus?

Ein Hotel ist kein Museum. Aber es kann ein kunstsinniger Ort sein. Ich habe mich auch bei meinen vorherigen Adressen immer darum bemüht, Künstler als Gäste zu gewinnen, weil das zum Flair eines Hauses beiträgt. Damals im Triest und zuletzt im The Guesthouse ist uns das hervorragend gelungen. Auch in der Josefine wird das so sein. Damit sich kunstsinnige Menschen wohlfühlen, geht es nicht darum, effekthascherische Gags einzubauen, sondern mit hochwertigen Materialien zu arbeiten. „Laute“, spektakuläre Designelemente sind eher kontraproduktiv. Es kommt vielmehr darauf an, viele Details richtig zu treffen, die dann wie in einem Mosaik ein stimmungsvolles Ganzes ergeben. So haben wir bewusst auf Keycards verzichtet und verwenden lieber klassische Schlüssel. Das ist nur eine von vielen Kleinigkeiten, mit denen wir den Stil der 1920er-Jahre zum Leben erwecken.

Vollständiges Interview in der Print-Ausgabe oder im Online-Magazin auf der Startseite.

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Manfred Stallmajer hat das Hotelprojekt Josefine gemeinsam mit seinen Finanzpartnern Daniel Jelitzka und Reza Akhavan sowie Christian Winkler (Winegg) entwickelt.

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»Wie bei einem Mosaik ergibt sich das Gesamtbild aus vielen kleinen Teilen«

Manfred Stallmajer

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