GANZJÄHRIG AM SEE

Der Salzburger Unternehmer Hermann Unterkofler hat 30 Jahre lang in Kärnten Urlaub gemacht. Seit sieben Jahren ist er am Wörthersee auch geschäftlich engagiert. Mit dem Hermitage Vital Resort will er einen ganzjährig geöffneten Betrieb in Dellach betreiben.
210817_Hermitage_0342_(c)Fehringer.jpg
Hermann Unterkofler auf dem Wörthersee
Foto: Rainer Fehringer

- Sie haben eine äußerst erfolgreiche Unternehmer-Karriere im Automatengeschäft hinter sich. Die Firma haben Sie vor ein paar Jahren an Ihre beiden Söhne übergeben. Die meisten Menschen in Ihrer Situation würden den Ruhestand am Golfplatz genießen. Sie haben jedoch ein Hotel neben dem Golfplatz gekauft und wollen es zu einem imposanten Resort ausbauen. Wieso machen Sie das?

"Das Nichtstun liegt mir nicht und ich bin ein nur mäßig begabter Golfer. Auf meine alten Tage nur daran zu arbeiten, mein Handicap zu verbessern, würde mich einfach nur langweiligen. Mein erfolgreiches Automaten-Unternehmen habe ich komplett an die nächste Generation übergeben, und das halte ich auch konsequent ein. Der Herrgott scheint es gut mit mir zu meinen und hat mir eine Extraportion Energie mit auf den Weg gegeben. Jetzt will ich meine Erfahrung in ein nachhaltiges Tourismusprojekt am Wörthersee einbringen. Mein Sohn Moritz ist schon jetzt viel vor Ort und wird auch in Zukunft dafür sorgen, dass das Hermitage Vital Resort noch viele Jahre lang erfolgreich bleibt."

210817_Hermitage_0026_(c)Fehringer.jpg
Hermann Unterkofler liebt die Ruhe am See, auch sein Motorboot fährt lautlos mit Elektromotor
Foto: Rainer Fehringer

- Sie ernten viel Lob für dieses spektakuläre Projekt, es gibt aber auch Neid und Kritik. Der Vorwurf lautet, dass unter dem Vorwand, einen touristischen Betrieb zu schaffen, wieder einmal nur neue Privatwohnungen am See entstehen, die profitabel verkauft werden. Der versprochene Hotelbetrieb würde nach ein paar Jahren wieder eingestellt. Negative Beispiele für diese Art von Geschäftsmodell gibt es rund um den See genug. Auch Sie haben zuerst Privatwohnungen errichtet und verkauft und versprechen, ein tolles Resort zu errichten, das ganzjährig geöffnet werden soll. Verstehen Sie, dass man Ihren Plänen mitunter skeptisch begegnet?

"Natürlich. Solche „Umgehungsprojekte“ hat es gegeben, und die Kritik an ihnen ist berechtigt. Ich will jetzt kei-ne Namen nennen, weil man die Objekte ja kennt. Viel ist vom Ausverkauf des Sees die Rede, bei dem es nur darum ginge, dass Investoren durch Umgehungsmodelle mit Privatwohnungen raschen Profit machen wollen. Ich verstehe also, dass die Einheimischen solche Projekte zunächst kritisch betrachten. Das grundsätzliche Problem am Wörthersee ist allerdings, dass in den letzten 50 Jahren zu wenig und nicht zu viel investiert wurde. Viele traditionelle Hotelbetriebe funktionieren einfach nicht. Über 50 Hotels haben in den letzten Jahrzehnten schließen müssen oder wurden von den Betreibern verkauft. Wenn man nur zwei oder maximal drei Monate im Jahr Betten vermietet, lässt sich ein Hotel einfach nicht erfolgreich führen. Dann bleiben notwendige Investitionen aus und irgendwann ist der Hotelier dann pleite. Mir werden laufend Hotels zum Kauf angeboten, und mit dem Horak und dem Seeblick in Velden haben wir auch zwei weitere Häuser gekauft, die wir umbauen, entwi-ckeln und wiedereröffnen werden. Aber das sind vergleichsweise kleinere Geschichten. Mein Herzblut steckt hier im Hermitage Vital Resort."

210817_Hermitage_0005_(c)Fehringer.jpg
Foto: Rainer Fehringer

- Aber auch hier haben Sie zuerst 57 private Apartments errichtet und verkauft, bevor Sie mit der Renovierung des Hotels überhaupt angefangen haben. Auch vom angekündigt Wellness-Bereich ist noch nichts zu sehen. Einzig das spektakuläre Restaurant von Hubert Wallner wurde heuer eröffnet. Wie geht es weiter?

"Der Mix aus privaten Apartments und regulären Zimmern ist einfach notwendig, um so ein Projekt zu finanzieren. Nur 20 dieser Apartments sind tatsächlich ausschließlich privat genutzt, 37 stehen uns auch zur Vermietung zu Verfügung. Zehn dieser Apartments sind übrigens in unserem Eigentum geblieben. Es handelt sich dabei also nicht um die vielfach kritisierten „kalten Betten“.Zum zeitlichen Ablauf: Ein Projekt dieser Größenordnung kann man nur schrittweise umsetzen. Wir haben dabei einen klaren und auch offen kommunizierten Fahrplan. Zuerst haben wir vor vier Jahren den Beachclub mit dem Bistro Südsee eröffnet. Dann kamen im Vorjahr die Apartments und heuer das Restaurant. Als nächste Schritte folgen der Wellness-Bereich und die Renovierung des bestehenden Hotels. Es macht ja keinen Sinn, einen großzügigen Wellness-Bereich zu schaffen, bevor es ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten und ein Restaurant gibt. So schön der See im Sommer auch ist, wir brauchen Angebote, die das ganze Jahr über funktionieren."

...weiter im Print-Magazin

210817_Hermitage_0006_(c)Fehringer.jpg
»Man muss spezielle Angebote entwickeln, dann kommen die Gäste auch«

Hermann Unterkofler

210817_Hermitage_0476_(c)Fehringer.jpg
»Der Wörthersee ist das Sylt der Alpen. Hier gibt es noch viel Potenzial«

Hermann Unterkofler

Die UKO Group

Nach seiner gastronomischen Ausbildung eröffnete Hermann Unterkofler im heimatlichen Golling ein kleines Lokal. Dort erkannte er, welches enorme Potenzial im Automaten-Geschäft (neben Glücksspiel auch Billard, Tischfußball und Jukeboxen) steckt. Also wechselte er mit 22 die Branche und kümmerte sich um den Vertrieb von Automaten. Ab 1974 kamen die ersten elektronischen Spiele (Pacman etc.) auf den Markt, die seinem Geschäft weiteren Schwung bescherten. 1987 stieg Unterkofler in die Betreuung von Waren- und Zigarettenautomaten in ganz Österreich ein. Bei den Zigaretten-Automaten hat das Unternehmen mit rund 4.000 Kunden einen Marktanteil von etwa 50 Prozent. Zusammen mit den Warenautomaten werden rund 10.000 Kunden in ganz Österreich betreut.

Im Laufe der Jahre hat sich das unternehmerische Interesse von Hermann Unterkofler erweitert und er gliederte die Automatenfirma in die neu gegründete UKO Group ein, die zusätzlich in den Geschäftsbereichen Real Estate, Hospitality und Sports & Events Area (XBOWL Arena) tätig ist. Seit einigen Jahren wird das Unternehmen von Hermann Unterkoflers Sohn Moritz geleitet.

LUL2020.width-670.jpg

Kontakt