WEST SIDE STORY

Während sich oben auf den Bergen die Urlauber tummeln, wird unten im Rheintal gearbeitet. Dort dürfen sich die tüchtigen Vorarlberger über eine äußerst lebendige Lokalszene freuen.
210608_LuLe_Gsiberg_316_(c)Fehringer Kopie.jpg
Rene Gmeiner (rechts) und Kassian Xander haben sich bei der Gestaltung der Jahnhalle in Feldkirch so richtig ausgetobt und noch viel vor.
Foto: Rainer Fehringer

In Vorarlberg ticken die Uhren etwas anders. Während das restliche Österreich bis 8. Mai geschlossen halten musste, öffnete die Gastronomie in unserem westlichsten Bundesland bereits wieder Mitte März ihre Türen. Und siehe da, die Branche hatte nicht geschlafen. Einige Betriebe wie das Café 21 in Dornbirn wurden komplett neu gestaltet. Andere, wie das Restaurant Weiss oder die Bierbar Hopfensche im Hotel Hirschen in Bregenz konnten endlich richtig durchstarten. Und wieder andere, wie das Kuche und Klub oder die Jahnhalle in Feldkirch sind überhaupt neu entstanden.

Ein Viertel erfindet sich neu

Wir haben unsere „Ländle-Tour“ in Feldkirch gestartet, wo sich ein ganzer Stadtteil neu erfunden hat. Das ehemals eher schäbige Bahnhofsviertel wandelte sich zu einer urbanen Erholungszone namens BahnhofsCity mit einer ansprechenden, urbanen Architektur und viel Grün. Noch ist die Entwicklung nicht abgeschlossen, aber die Richtung ist schon klar erkennbar. Ein zentrales Element für die Neugestaltung stellt ein Hotel mit 125 Zimmern dar. Da wollte René Gmeiner, dessen Eltern die bekannte Schlosswirtschaft Schattenburg betreiben, dabei sein. Die Eröffnung des Night Inn samt der zugehörigen Gastronomie, die Gmeiner mit seinem Partner Kassian Xander betreibt, erfolgt am 23. Juli. „Eigentlich wären die Kantine und das 1X unsere ersten gemeinsamen Projekte gewesen. Durch die Pandemie hat sich die Eröffnung des Hotels verzögert. Daher hat unser Burger-Lokal Onemore, das wir als Letztes geplant hatten, als Erstes aufgesperrt“, erklärt Reiner Gmeiner.

Während Gmeiner und Xander auf der Suche nach einem neuen Büro waren, ergab sich überraschend die Möglichkeit, die Jahnhalle zu übernehmen. Dort haben die Feldkircher über hundert Jahre lang geturnt. Jetzt ist dort ein Vintage-Mode-Geschäft untergebracht sowie eine beeindruckende Bar aus brasilianischem Granit. Eine Location, die für Events jeglicher Art wie geschaffen ist. Im Nebengebäude wurden moderne Büro-Räume geschaffen, die als Co-Workspaces genutzt werden können. Eine Ebene steht Gmeiner und Xander als Büro zu Verfügung. Mehr über dieses gastronomische Power-Duo steht gibt es im Heft auf Seite 46.

Kuche und Klub
210609_LuLe_Gsiberg_269_(c)Fehringer Kopie.jpg
»Wir wollen auch junge Gäste mit mehrgängigen Menüs verwöhnen,« so Daniel Schweighofer über Kuche & Klub in Feldkirch: Wenige Elemente – große Wirkung.
Foto: Rainer Fehringer

Mit viel Geschmack hat die Arbeiterkammer in Feldkirch das kürzlich erworbene Nachbarhaus renoviert und revitalisiert. In den oberen drei Stockwerken der „Schafferei“ befinden sich Büros und Schulungsräume („Digital Campus“). Das Erdgeschoss und der Keller wird mit einem lässigen Gastronomie-Konzept namens Kuche und Klub bespielt. „Früher war im Keller der legendäre Jugendklub Graf Hugo, der eine richtig gehende Institution war. Wir fühlen uns diesem Erbe verpflichtet und wollen dort wieder einen Klub schaffen, der in unsere Zeit passt und neben Unte haltung auch viel Kultur bietet“, erklärt Daniel Schweighofer, der den gesamten Gastronomie-Bereich gepachtet hat. Bis es soweit ist, werden noch ein paar Wochen vergehen, denn im Keller werken noch die Handarbeiter. Das ebenerdige Café-Restaurant samt Bar hat allerdings schon seit Ende Mai geöffnet und wurde in kürzester Zeit zum beliebten Treffpunkt – und zwar von der Früh über Mittag und Nachmittag bis in den späten Abend hin- ein. „Die soziale Durchmischung ist uns total wichtig, weil das – neben dem Essen und Trinken – einer der wichtigsten Aspekte der Gastronomie ist“, meint Schweighofer, der sich mit seinem jungen Team schon darauf freut, auch den Klub im Keller zu bespielen.

Kulinarisch steht das Programm bereits. Es gibt ein ausgiebiges Frühstücksangebot, dann einen günstigen Mittagstisch. Am Nachmittag erfreuen sich die Gäste an Kaffee und Kuchen oder kleinen Snacks, bevor es am Abend so richtig los geht. „Wir wollen auch junge Gäste mit mehrgängigen Menüs verwöhnen, dabei aber auf unnötige Formalitäten komplett verzichten. Unser Kuche und Klub soll ein umkomplizierter Wohlfühl-Ort sein, wo man sich auch einfach zum Spielen trifft“, erklärt Schweighofer. Und an der Bar werden richtig gute Drinks gemixt – vom frühen Abend bis spät in die Nacht. Mehr über den umtriebigen Daniel Schweighofer lesen Sie im Heft auf Seite 47.

Farbenspiele durch weißes Trio
210609_LuLe_Gsiberg_485_(c)Fehringer Kopie.jpg
Café Weiss: Milena Broger, Theresia Feurstein, Erik Pedersen haben ihre gemeinsame Philosophie in einem Lokal zur Wirklichkeit werden zu lassen.
Foto: Rainer Fehringer

Theresia Feurstein hatte sich schon länger mit dem Gedanken gespielt, in Bregenz ein eigenes Lokal zu eröffnen. Sie hatte lange in Wien im Kultur- und Eventbereich gearbeitet und vermisste nach ihrer Rückkehr ins heimatliche Ländle ein kultiviertes Wohlfühl-Lokal, in dem man auch gut essen kann. Während Feurstein noch am Konzept feilte und auf der Suche nach einer passenden Location war, lernte sich auf Vermittlung eines Freundes Milena Broger kennen, die im urigen Klösterle-Lokal der Familie Schneider in Lech am Arlberg gemeinsam mit ihrem dänischen Freund Erik Pedersen groß aufkochte. Man war sich sympathisch und wurde rasch handelseins. Davor stand allerdings noch ein gemeinsamer Sommer auf der dänischen Insel Bornholm an, weil Pedersen als Küchenchef des luxuriösen Kadeau-Ablegers unabkömmlich war. Zeit genug also, um gemeinsam die Eckpfeiler des künftigen Restaurants zu entwickeln. „Wir ticken sehr ähnlich. Wir lieben Naturweine. Wir lieben gutes Essen. Wir lieben Kunst und Kultur. Gleichzeitig wollten wir einen Ort schaffen, der für alle sozialen Schichten gleichermaßen zugänglich ist. Es galt also ‚nur’ noch, unsere gemeinsame Philosophie in einem Lokal Wirklichkeit werden zu lassen“, meint Feurstein. Mit dem ehemaligen Café Weiss, in dem bis vor ein paar Jahren das Restaurant Neubeck von Nina und Werner Sotrifer beheimatet war, wurde auch ein gut gelegener Ort gefunden. Nach zügigen Umbau-Arbeiten war man im Hebst 2020 bereit, Gäste zu empfangen. Doch kaum gestartet, kam der zweite Lockdown, sodass man erneut umsatteln musste. Mehr im Heft auf Seite 49.

Kaffee und Steaks in Dornbirn
id_Cafehaus 21_Dornbirn_2021-06-24_08708 Kopie.jpg
Dem Dornbirner Café 21 wurde ein neues Outfit verpasst, das die Gäste lieben
Foto: id-werkstatt

Hier betreibt die Familie Handle seit vielen Jahren ein Steakhouse, ein daneben gelegenes Café und eine Rösterei. Den vergangenen Winter nutzte man, um die Organisation im Hintergrund zu optimieren und für beide Betriebe eine gemeinsame Küche zu bauen, was die Abläufe deutlich erleichtert. Außerdem wurde dem Cafe 21, das einer der beliebtesten Treffpunkte Dornbirns ist, ein neues Outfit verpasst, das vom oberösterreichischen Lokalplaner id-werkstatt konzipiert und umgesetzt wurde. Wenn die ersten Wochen ein Indikator sind, dann ist das Café 21 noch beliebter geworden, als es zuvor bereits war.

Rolling Stone
210608_LuLe_Gsiberg_072_(c)Fehringer Kopie.jpg

41 Jahre lang hat Klaus Feurstein den Stone Club in der Feldkircher Innenstadt geführt. Sowohl der Club als auch sein lebenslustiger Betreiber Klaus Feurstein hatten sich schon längst Legendenstatus erworben, bevor der Klub im November 2019 schließen musste. Ein Jahr darauf starb die Legende Klaus Feurstein im Alter von 68 Jahren.

thomas_Rauch Kopie.jpg

Der umtriebige Künstler Thomas Rauch hat seinem Jahre langen „Wohnzimmer“ ein Bild gewidmet. Am 29. September findet im Rahmen der Genuss-Festspiele im Gasthof Rössle in Braz eine einzigartige Gedenkveranstaltung für Feurstein statt. Das 4-Hands-Dinner trägt den treffenden Titel „A Tribute to a Special One“.

Hirschenbier
210609_LuLe_Gsiberg_545_(c)Fehringer Kopie.jpg

Der Juniorchef Hubert Kinz hat in jungen Jahren die Ausbildung zum Biersommelier absolviert und mit dem frisch erworbenen Wissen im vergangenen Jahr im elterlichen Hotel Hirschen eine eigene Bierbar eröffnet.

Wälder-Pizza
210609_LuLe_Gsiberg_440_(c)Fehringer Kopie.jpg

Im vorderen Bregenzerwald steht ein Wirtshaus, in dem sich fast nur Einheimische treffen. Das liegt am kommunikativen Wirt Manfred Felder und seiner beliebten Wälder-Pizza. Ein Flüchtling aus Syrien war gelernter Pizzabäcker und hat Felder gefragt, ob er nicht als Pizzaiolo mithelfen könne. Gesagt, getan. Ganz glücklich war Felder, der 20 Jahre zuvor schon selbst einmal eine Pizzeria betrieben hatte, mit den ersten Pizza-Varianten aber nicht.

Doch der Wirt des „Goldenen Adlers“ in Hittisau hat viel mehr erzählt und das steht im Magazin auf den Seiten 50/51.

Frittiert wird
OneBurger.jpg

Zum besten Burger im Ländle gibt es auch die besten Pommes Frittes aus dem Ländle. Im Onemore setzt man auf die Steakhouse Frites von 11er, die in der Nachbargemeinde Frastanz produziert werden. Der Grund dafür ist so einfach wie einleuchtend: Verlässlich gleich bleibende Qualität. Jeden Tag perfekte Pommes Frites herzustellen, ist wesentlich komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint.

elfer_fritten Kopie.jpg

Kontakt