KOCH DER KÖCHE

Gelernt hat Antonio Romero bei den bekanntesten 3-Sterne Köchen Spaniens. Eine Karriere in der Luxusgastronomie kam für ihn dennoch nie in Frage.
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Antonio Romero ist nicht nur ein begeisterter Koch, sondern mittlerweile auch ein erfolgreicher Gastronom. Der hohe Anteil an einheimischen Stammkunden und das moderate Preisniveau haben Romero dabei geholfen, das vergangene Jahr relativ unbeschadet zu überstehen.
Foto: Suculent.com

In seinem Restaurant Suculent geben sich die besten Köche Barcelonas an ihren freien Tagen die sprichwörtliche Klinke in die Hand. Das es hier ausgezeichnet schmeckt, wird ihm also von den höchsten Autoritäten bestätigt. Dennoch stellt sich die Frage, wieso Romero nicht versucht hat, eine Karriere in der Sternegastronomie zu starten?

„Was ich kann, habe ich von großen Küchenchefs in 3-Sterne-Restaurants gelernt. Gleichzeitig habe ich in diesen Luxusrestaurants gesehen, dass es dort nicht nur um gutes Essen geht, sondern um tausend andere Dinge, wenn man in dieser Liga erfolgreich sein will. Das hat mich nicht interessiert“, erklärt Romero in seinem kleinen, sympathischen Lokal. „Ich wollte immer ein stimmungsvolles Lokal, in dem sich alle willkommen fühlen. Deshalb passt auch die Lage mitten in El Raval. Wenn sich Touristen zu uns verirren, sind sie uns herzlich willkommen. Aber es macht mich besonders stolz, wenn andere Köche zu uns essen kommen, weil dies das ultimative Kompliment ist“, erklärt Romero.

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Ferran Adriá erklärte Romero, dass ein Ceviche-Gericht auf einer mediterran inspirierten Karte ein irritierender Fremdkörper sei und er diesen Gang streichen solle.
Foto: Suculent.com

Als er das Suculent 2013 eröffnete, kam sein ehemaliger Chef Ferran Adriá gleich am ersten Abend vorbei. Für sein Essen bekam er vom Meister höchstes Lob. Gleichzeitig erklärte ihm Adriá, dass ein Ceviche-Gericht auf einer mediterran inspirierten Karte ein irritierender Fremdkörper sei und er diesen Gang streichen solle. Das hat Romero bis heute nicht getan. „Prinzipiell hat Ferran natürlich immer Recht. Andererseits ist es mein Lokal und meine Gäste lieben dieses Gericht. Und Ferran hat dieses Gericht seither dutzende Male bestellt. Es scheint ihm also durchaus zu schmecken“, so Romero.

Mit Menüpreisen von 50 beziehungsweise 70 Euro für zehn oder zwölf Gänge ist das Suculent ausgesprochen günstig. Wie geht sich das angesichts der sehr hohen Produktqualität aus? Neben der niedrigen Miete verweist Romero auch auf seine kulinarische Philosophie: „Ich bewundere, was meine Kollegen im Disfrutar machen, aber so zu kochen, ist extrem aufwändig und erfordert ein großes Team in der Küche. Geschmacklich gibt es auch bei mir keine Kompromisse, aber ich überlege mir schon sehr genau, wie viel Aufwand bei der Zubereitung sinnvoll ist. Ich freue mich, wenn Stammgäste zumindest einmal im Monat kommen, und nicht nur einmal im Jahr.“

„Ich wollte immer ein stimmungsvolles Lokal, in dem sich alle willkommen fühlen."
Antonio Romero

Bereits als Kind wusste Romero, dass er Koch werden wollte. Gleich nach Beendigung der Gastgewerbeschule ergatterte er 2009 zuerst einen Stage-Platz im El Bulli, aus dem ein fixes Engagement wurde, das bis zur Schließung im Jahr 2011 währte. Danach arbeitete er in San Sebastián bei den 3-Sterne-Köchen Juan-Mari Arzak und Pedro Subijana sowie bei Anne-Sophie Pic in Valence. 2012 wurde er von Carles Abellan gefragt, mit ihm gemeinsam ein Restaurant in Barcelona eröffnen wurde. Vor drei Jahren übergab Abellan seine Anteile an Romero.

"Ich freue mich, wenn Stammgäste zumindest ein-mal im Monat kommen, und nicht nur einmal im Jahr.“

Restaurant Suculent
Rambla del Raval
45 08001 Barcelona

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