HOTEL ALS BELOHNUNG

Bernd Schlacher hat sich zuerst als Szene-Gastronom mit dem „Motto“ einen Namen gemacht. Es folgten weitere Lokale, ein großes Catering-Unternehmen und zuletzt eine Bäckerei. Als Krönung einer beeindruckenden Unternehmerlaufbahn will er sich jetzt auch als Hotelier beweisen.
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»Ein Lokal ist dann erfolgreich, wenn es Spaß und Sinn macht, es dauerhaft zu betreiben.«
Foto: Rainer Fehringer
Es ist gar nicht so leicht, einen Überblick über Ihre beruflichen Aktivitäten zu behalten. Zum einen kommen immer wieder neue Betriebe dazu, zum anderen geben Sie immer wieder auch gut gehende Lokale ab. Wieso eigentlich?

Manche Lokale, wie etwa das Motto, leben davon, dass der Chef persönlich als Gastgeber vor Ort ist. Das hat mir viele Jahre lang wirklich Spaß gemacht, aber ich bin älter geworden und das Publikum ist gleich alt geblieben. Also habe ich das Lokal vor acht Jahren meinem damaligen Geschäftsführer Tom Sampl verkauft, damit er eigenständig als Eigentümer und Gastgeber agieren kann. Die Rechte an der Marke Motto, unter der ja auch mein Catering-Unternehmen firmiert, habe ich mir aber behalten. Im Museumsquartier und am Karlsplatz sind Pachtverträge ausgelaufen, die ich nicht mehr verlän- gern wollte, weil es genug anderes zu tun gab. Ein Lokal zu betreiben ist für mich kein Selbstzweck, auch wenn sie gut gehen. Es muss auch Spaß machen und Sinn haben.

Emotional ist das durchaus verständlich, aber ist es nicht viel schwieriger, ein neues Lokal aufzubauen, als ein bereits bestehendes erfolgreich weiterzuführen?

Das kann man so nicht sagen. Bei der Eröffnung eines neuen Lokals fühle ich mich immer beflügelt, die Arbeit macht in dieser Phase irrsinnig viel Spaß. Ich entwerfe und gestalte für mein Leben gerne. Da kümmere ich mich persönlich um viele Details, von der Einrichtung bis zur Gestaltung der Karte. Wenn dann das richtige Team beisammen ist und ein Lokal selbstständig zu laufen beginnt, macht mich das glücklich. Dann ist meine Rolle eigentlich erfüllt. Es ist aber nicht so, dass ich mich laufend von Lokalen trenne. Das Motto am Fluss gibt es bereits seit elf Jahren. Momentan bin ich dort auch an drei Tagen in der Woche persönlich vor Ort.

Seit 20 Jahren betreiben Sie zusätzlich noch ein Catering-Unternehmen. Wann wird es zu einer Rückkehr zur Normalität kommen?

Ich habe auch keine Glaskugel, aber 2022 wird hoffentlich wie- der ein relativ normales Jahr werden, 2023 könnte dann wieder so stark wie 2019 oder noch besser werden. Bis dahin werden wir hoffentlich auch die Baustelle am Cobenzl fertig haben.

Es war für die Öffentlichkeit überraschend, als Sie mitten in der Gastronomie-Schließung Anfang 2021 erklärten, dass Sie sich dort gastronomisch engagieren werden. Was hat es mit dem Cobenzl genau auf sich?

Auch für mich war das überraschend. An der ursprünglichen Ausschreibung, die noch vor der Pandemie stattfand, habe ich mich nicht beteiligt, weil ich dachte, dass sich das weder zeitlich noch finanziell für mich ausgeht. Dann kam Corona und die Karten wurden neu gemischt. Der ursprüngliche Betreiber ist abgesprungen. Gleichzeitig musste ich die schon fürs Vorjahr geplante Hoteleröffnung verschieben. Auch das Hotelprojekt in der Hauptpost, wo ich mich engagieren wollte, hatte sich zerschlagen. Es war also Zeit und Energie für Neues da. Außerdem ist der Cobenzl eine persönliche Herzensangelegenheit. Als ich mit 15 nach Wien gekommen bin und mich meine Tante eines Nachmittags mit auf den Cobenzl genommen hat, war ich vom Ausblick überwältigt und habe mir gedacht: In dieser wunderschönen Stadt bleibe ich. Wir haben die ursprünglichen Pläne adaptiert und bauen neben dem Rondell-Café, das wir neu errichten, auch mehrere Säle für Events, die wir als Caterer exklusiv bespielen werden.

Wird der tolle Blick in Zukunft in erster Linie Kongress-Touristen begeistern und nicht die Wiener?

In den letzten Jahren hat das Schloss Cobenzl praktisch niemanden mehr begeistert, weil es geschlossen war. Wenn wir in Zukunft auch internationale Gäste hier hinaufbringen, ist das in jedem Fall eine Bereicherung. Aber das Café wird natürlich auch den Wienern offen stehen. Außerdem wird es am Dach des Cafés eine frei zugängliche Aussichtsterrasse ohne Konsumationszwang geben. Wir hoffen, dass wir im Herbst 2022 aufsperren können.

Dafür, dass Sie so viel um die Ohren haben, wirken Sie erstaunlich entspannt. Und bis jetzt hat auch noch kein einziges Mal Ihr Handy geläutet. Wie machen Sie das?

In den ersten Jahren meiner Selbstständigkeit habe ich 80 Stunden und mehr pro Woche gearbeitet – auch an den Wochenenden. Als junger Mensch ist das okay, aber jahrzehntelang kann man das nicht durchhalten. Vor der Pandemie hatten wir rund 250 angestellte Mitarbeiter. Da braucht ein Unternehmen einfach Strukturen und darf nicht von der permanenten Verfügbarkeit des Chefs abhängig sein. Mein Handy läutet eigentlich nur noch privat. Außerdem hat sich mein Leben im letzten Jahrzehnt grundlegend verändert. Ich lebe in einer glücklichen Beziehung und wir haben zwei bezaubernde Kinder. Bei mir hat das Erwachsenwerden etwas länger gedauert, weil mir das gesellige Nachtleben extrem getaugt hat und ich bei praktisch jeder Veranstaltung auch selbst dabei war. Aber damit ist es jetzt vorbei.

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Im Motto Brot gibt es auch Frühstück und Lunch.

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Daniela Weigl liebt alle Gäste, doch ihr Chef liegt ihr besonders am Herzen.

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»Mein Handy läutet eigentlich nur noch privat. Permanent erreichbar zu sein, mag ich nicht.«
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Soll im Herbst 2022 eröffnet werden: Schlachers Cobenzl-Projekt.

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Das Motto am Fluss setzt schon seit 11 Jahren Bio-Standards.

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