ANDREA FUCHS OHNE GLASKUGEL

Mit nur 23 Jahren konnte Andrea Fuchs bereits in jungen Jahren als Hoteldirektorin Führungsaufgaben übernehmen. Heute ist sie eine erfolgreiche IT-Unternehmerin, berät mit ihrer eigenen Consultingfirma mehrere Hotelprojekte und führt als Direktorin das Wiener Fünf-Sterne-Hotel Sans Souci.
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Foto: Rainer Fehringer

Wie sich das alles ausgeht, hat sie uns in einem ausführlichen Gespräch erklärt.

Es ist ein grauer Tag Ende Jänner 2021. Wir treffen Andrea Fuchs im Hotel Sans Souci. Wien befindet sich im Lockdown. Das Hotel ist praktisch leer, und auch der üppige Blumenschmuck, der Andrea Fuchs normalerweise so wichtig ist, fehlt. Dennoch ist die umtriebige Hotelière blendend gelaunt, auch wenn sie beklagt, dass ihr das lebendige Treiben im Hotel mittlerweile doch sehr abgeht.

Konkret planen kann man das Jahr 2021 nicht. Wie wird es mit der Hotellerie in Wien insgesamt weitergehen?

Ich habe keine Glaskugel und kann nicht in die Zukunft blicken. Irgendwann wird diese Pandemie vorbei sein und die Leute werden wieder reisen. Wann und in welcher Form das Kongressgeschäft in Wien wieder losgehen wird, steht in den Sternen. Es ist auch nicht abzusehen, wann wieder Gäste aus Übersee kommen werden und ob sich der Herkunftsmix der Gäste verändern wird – etwa von Amerika in Richtung Asien. Wir machen inzwischen unsere Hausaufgaben und bieten unseren Mitarbeitern, die wir in Kurzarbeit haben, verschiedene Möglichkeiten an, sich laufend fortzubilden, etwa in Form von Sprachkursen. Ich habe jedenfalls noch nie so viele Budgets geschrieben und dann wieder verworfen wie in den letzten zwölf Monaten, um auf sich laufend ändernde Rahmenbedingungen zu reagieren. Mehr lässt sich aktuell dazu nicht sagen, außer dass wir uns schon alle auf die Zeit freuen, wenn wir wieder ein volles Haus haben werden.

In Wien ist es zu einem Boom in der Luxushotellerie gekommen. Wie schwierig war es in diesem Marktumfeld, hohe Auslastungen zu erzielen?

In der Luxushotellerie gibt es in Wien erfreulicherweise nicht nur internationale Ketten, sondern auch große, individuell geführte Häuser. Wir waren mit unserer Auslastung seit der Eröffnung im Jahr 2012 jedenfalls sehr zufrieden und konnten sie bis zum März
2020 ständig steigern. So sehr mich die Konzeptentwicklung und dann die Umsetzung auf der Baustelle fasziniert hatte – wirklich spannend wird es, wenn man aufsperrt und die ersten Gäste kommen. Wir sind ein Boutique-Hotel, und haben mit 63 Zimmern eine überschaubare Größe, mit der wir unsere Gäste sehr individuell betreuen können. Einen derart großzügigen Spa- und Beautybereich
gibt es in so zentraler Lage auch nicht oft.

Mit dem Thema zeitgenössischer Kunst haben wir dem Sans Souci ein individuelles Profil gegeben, das unser Haus einzigartig macht. Wir haben auch intensiv an der Guest-Experience gearbeitet, die vom erstmaligen Betreten des Hotels bis zur finalen Verabschiedung geht. Es sind viele kleine Schrauben, an denen man drehen kann, um ein Fünf-Sterne-Hotel einzigartig zu machen. Wenn man zu keiner großen Kette gehört, kann man dabei viel individueller agieren.

Aber zuerst muss man die Gäste einmal ins Haus bekommen. Wie wichtig war dabei die Zusammenarbeit mit der Plattform „Preferred Hotels“?

Wir haben uns im Vorfeld genau angeschaut, zu welcher Vermarktungsplattform wir am besten passen, und haben uns schlussendlich für Preferred Hotels entschieden. Unter anderem auch deshalb, weil sie am amerikanischen Markt besonders stark sind. Bei Preferred Hotels sind viele sehr gute und individuell geführte Häuser dabei. Unser Fokus liegt auf moderner Kunst, was zum einen geografisch sehr gut zu uns passt – schließlich liegt das Museumsquartier auf der anderen Straßenseite. Es spiegelt aber auch die Leidenschaft unseres Eigentümers, Dr. Norbert Winkelmayer, der ein begeisterter Sammler zeitgenössischer Kunst ist, wider.

Und die bildende Kunst ist schließlich auch eine persönliche Leidenschaft von mir, weshalb das Sans Souci für mich von Anfang an eine ganz besondere Faszination ausgestrahlt hat. Bei uns hängt aber nicht nur viel Kunst an den Wänden. Es kommen auch viele Künstler als Gäste zu uns. Das Entscheidende bei der Positionierung eines neuen Hauses ist, dass man jene Gäste findet, die gut zu einem passen. Das lässt sich natürlich nicht bis ins letzte Detail vorausplanen, aber die grundsätzliche Richtung muss stimmen. Eigentlich hätten wir gedacht, dass das Durchschnittsalter unserer Gäste zwischen 35 und 45 Jahren liegen würde, tatsächlich ist es jedoch um zehn Jahre höher.

Und welche Rolle spielen Plattformen wie Booking.com?

Rund ein Drittel unserer Buchungen bekommen wir über Booking. Das ist also ein zentraler Vertriebskanal für uns. Booking ist eine wirklich professionell gemachte Buchungsplattform, an der man nicht vorbeikommt, wenn man internationale Gäste ansprechen will. So finden uns Gäste, die sonst wahrscheinlich woanders übernachten würden. Wichtig ist mir dabei nur, dass man sich nicht von Plattformen wie Booking komplett abhängig macht, was schnell passieren kann, wenn man 50 Prozent oder mehr von seinen Buchungen über solche Plattformen generiert. Zumindest jene Gäste, die wiederholt kommen, sollte man motivieren können, direkt
zu buchen.

Sie waren mit 23 Jahren eine der jüngsten Hoteldirektorinnen des Landes, haben ein eigenes Beratungsunternehmen gegründet. Wieso sind sie vor neun Jahren wieder ins „operative Fach“ gewechselt?

Das war nicht wirklich geplant, ich bin da eher hineingerutscht. Ich bin wahrscheinlich der einzige GM im Land, der nicht angestellt ist, sondern einen Managementvertrag hat. Wie es dazu kam, ist leicht erklärt. Zuerst hat mich Dr. Norbert Winkelmayer mit der Entwicklung eines Konzepts für ein individuell geführtes Luxushotel beauftragt, das er in der von ihm erworbenen Immobilie eröffnen wollte. Ich war also von Anfang dabei und war in die Planung, die Auswahl der Architekten, die Gestaltung der Einrichtung und alles, was dazugehört, involviert. Das war die kreative Seite des Projekts, die mir jedes Mal besonders viel Freude macht. Da führt man Gespräche mit Architekten und Künstlern, wählt Stoffe aus – man kann der Fantasie fast freien Lauf lassen.

Ich habe aber auch die Business-Pläne geschrieben – von der Zahl der Mitarbeiter über angepeilte Auslastung und erzielbare Umsätze, was ja die Basis für die Finanzierung eines derartigen Projektes ist. Irgendwann stellte sich dann die Frage nach der operativen Leitung des Hauses. ........

SANS SOUCI
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(c) Stefan Gergely

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(c) Keith Collie

Burggasse 2
1070 Wien
+43 1 522 25 20
[email protected]
sanssouci-wien.com

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ANDREA FUCHS

Andrea Fuchs hat schon früh ihre Liebe zur Hotellerie entdeckt. Ihre ersten Sporen hat sie sich nach Abschluss des Moduls in einem eleganten Schweizer Luxushotel verdient. Nach weiteren Aufenthalten im Ausland kehrte sie 1982 nach Österreich zurück, wo sie beim Hotelpionier Raimund Wimmer anheuerte, der sie nach wenigen Monaten im Unternehmen mit 23 Jahren zur Direktorin des Alba Palace Hotels Margareten (heute Penta Hotel) machte.

Als Eigentümer-Vertreterin leitete sie danach den Neubau des Penta Hotels und führte als eine der Ersten in Österreich IT-Lösungen für die Hotellerie ein. Diese Pionierarbeit mündete schlussendlich in einem eigenen IT-Unternehmen (ProASP), an dem sie bis heute beteiligt ist.

Von 1989 bis 1991 leitete sie das von Raimund Wimmer erworbene und komplett renovierte Grazer Fünf-Sterne-Hotel Wiesler, bis sie aufgrund der Geburt ihres Sohnes nach Wien zurückkehrte.

Sie begann mit der Ausbildung zur Unternehmensberaterin und gründete das Unternehmen Hotelconsult. Mit unterschiedlichen
Schwerpunkten berät und begleitet sie dabei Hotels wie den Kaiserhof in Wien und Kitzbühel, das Tigra in der Wiener City, das Hotel Altstadt Vienna und das Parkhotel in Wien, um nur einige zu nennen.

hotelconsult.eu

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