EINE STIMMIGE ÜBERGABE

Vieles hat sich rund ums Weingut Polz geändert. Die prinzipielle Ausrichtung des Familienbetriebs ist jedoch unverändert geblieben.
Erich jun. & Christoph Polz.jpg
Mit dem erfolgten Generationswechsel von Vater Erich zu Sohn Erich fand eine Rückbesinnung auf das Wesentliche statt – die Herstellung von ausdrucksstarken Herkunftsweinen.
Foto: Weingut Polz

Erich und Walter Polz zähl(t)en zu den schillerndsten Weinpersönlichkeiten der Südsteiermark, deren Wirken in den vergangenen 30 Jahren weit über das Bewirtschaften eigener Weingärten hinausging. Im Laufe ihres bewegten Lebens haben sie nicht nur das 1912 vom Großvater gegründete Weingut vergrößert und zu einer weithin bekannten und geschätzten Marke entwickelt. Sie haben auch fremde Weingüter erfolgreich geführt (Rebenhof in Ratsch, Tscheppe am Pössnitzberg, Freigut Thallern in Gumpoldskirchen), ein idyllisches Hotel mit grandioser Haubenküche gegründet (Kreuzwirt am Pössnitzberg) und eine Gebietsvinothek samt Genuss-Shop (Vinofaktur Genussregal) in Vogau eröffnet. Weniger bekannt ist, dass es mit Reinhold noch einen älteren Bruder gibt, der sich als Geschäftsführer im Hintergrund um die Finanzen kümmerte.

Im Zuge des Generationswechsels haben die Polz-Brüder ihre komplex gewordene Unternehmensstruktur jetzt entflechtet und bereinigt. Das Hotel am Pössnitzberg und die Vinofaktur wurden verkauft. Die Kontinuität für Gäste konnte in Form des langjährigen Gastgebers Rainer Ogrinigg erfreulicherweise gewahrt bleiben. Walter zieht sich aus dem gemeinsamen Weingut zurück, steckt aber noch voller Tatendrang. Er kümmert sich fortan als Weingutsleiter um die ständig wachsenden Rebflächen der Domaines Kilger.

Bruder Erich hat sich um die Rückkehr seines gleichnamigen Sohnes bemüht, der schon begonnen hatte, am gepachteten Weingut Thallern in der Thermenregion Wurzeln zu schlagen. Still und leise hat Erich jr. schon den aktuellen 2020er-Jahrgang verantwortet, jetzt tritt er auch nach außen hin als neuer Chef auf. Sein Bruder Christoph assistiert ihm dabei mit viel Engagement vor allem im Keller und kümmert sich darüber hinaus um seine junge Familie und ein paar eigene Projekte.

Innovation und Tradition

Bei jedem Generationswechsel gibt es ein Spannungsverhältnis zwischen Kontinuität und Erneuerung. Handelt es sich um eine bekannte und erfolgreiche Marke wie bei Polz, steht die Kontinuität natürlich im Vordergrund – besonders was Stilistik und Qualität der Weine betrifft.
„Abgesehen von den jungen Gebietsweinen des 2020er-Jahrgangs, die jetzt in den Verkauf kommen, tragen unsere gereiften Lagenweine noch die Handschrift meines Vaters. Die Weine unserer Toplagen Grassnitzberg, Hochgrassnitzberg und Obegg zeigen erst nach einigen
Jahren ihr ganzes Potenzial. Hier gilt es also Kontinuität walten zu lassen. Wenn man große Weine keltern will, muss man sehr langfristig denken. Die besten Reben in unseren Toplagen hat noch der Großvater vor über 40 Jahren gepflanzt“, umschreibt Erich Polz jr., wie er an das Thema Kontinuität herangeht.

Gleichzeitig gilt es zu Beginn einer neuen Ära, Weichenstellungen vorzunehmen, die auf geänderte Rahmenbedingungen Rücksicht nehmen. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die neue DAC-Regelung der Steiermark dar, die erstmals in Österreich eine dreistufige Qualitätspyramide einführt, die sich ausschließlich an der Herkunft und nicht an Rebsorten orientiert. Eigentlich ist das System ganz einfach, doch gilt es das auch den Konsumenten schlüssig zu vermitteln.

An der Spitze stehen die Riedenweine, bei denen auch die jeweilige Lage am Etikett vermerkt werden darf. Dahinter folgen die sogenannten „Ortsweine“, bei denen auch das unterschiedliche Terroir der fünf „Orte“ der Südsteiermark klar erkennbar sein soll. Die Basis der südsteirischen DAC sind die Gebietsweine, auf denen immer noch stolz die Herkunft Südsteiermark angeführt werden darf. Weine von südsteirischen Winzern, die aus verschiedenen Gründen nicht ins DAC-Regime passen, dürfen in Zukunft nur mehr die Herkunftsbezeichnung „Steiermark“ tragen. Eigentlich ganz einfach, aber für viele Konsumenten wohl doch ein Lernprozess.

Neue Etiketten – klare Kommunikation

Dem trägt Erich Polz jr. mit einer neuen Etikettengestaltung Rechnung. Die Vorderetiketten sind in gedeckten Farben gehalten und wirken elegant und aufgeräumt. Bei den Lagen- und Ortsweinen ist die Herkunft hervorgehoben (also Ehrenhausen oder Hochgrassnitzberg), bei den Gebietsweinen die Rebsorte (etwa Sauvignon Blanc).

„Natürlich ist bei einer Weinflasche der Inhalt und nicht so sehr das Etikett entscheidend. Gleichzeitig ist es sehr wichtig, dass wir – und damit meine ich nicht nur unseren Betrieb, sondern alle engagierten Winzer aus der Südsteiermark – unsere Weine klar und widerspruchsfrei bezeichnen. Der unglaubliche Erfolg der südsteirischen Weine, den unsere Elterngeneration in den letzten 30 Jahren geschafft hat, ist auch darin begründet, dass sie gemeinsam an einem Strang gezogen haben und so den exzellenten Ruf der Südsteiermark begründet haben. Deshalb ist es für mich wichtig, dass wir auch in der nächsten Generation die betriebsübergreifende Zusammenarbeit, etwa in Form der STK-Vereinigung, weiter pflegen“, erklärt Erich Polz jr.

Mit der Fokussierung aufs Wesentliche geht auch eine gewisse Reduktion der Rebflächen einher, die allerdings immer noch stolze 80 Hektar umfassen. „Auch wenn es das Klima in der Steiermark nicht immer einfach macht, wollen wir unser Weingut komplett auf biologisch-organische Bewirtschaftung umstellen. Schon die Elterngeneration hat sich in diese Richtung bewegt, weil gesunde Böden das Um und Auf für wirklich gute Weine sind. Aber die angestrebte komplette Umstellung des Betriebs ist doch ein großer Schritt, den wir in den nächsten Jahren schaffen wollen“, erklärt Erich Polz jr. Der Generationswechsel soll keinen großen Bruch darstellen, sondern einen harmonischen Übergang. So wie sich bei einer großen Symphonie ein Satz an den nächsten reiht. Schlussendlich geht es ums Große und Ganze.

Den Takt vorgeben

So unterschiedlich sind die Rollen eines Dirigenten und eines Weingutsleiter eigentlich gar nicht. Bei beiden geht es darum, ein Team von Spezialisten so zu führen, dass etwas Großartiges dabei herauskommt, ohne dass man selbst allzu sehr im Mittelpunkt steht.

Der heute 36-jährige Erich Polz hat das Weingeschäft von der Pike auf gelernt. Nach der Matura in Graz hat er in Wien an der BOKU Weinbau und daneben auch noch an der Wirtschaftswissenschaften studiert. In Wien hat er auch die schon seit Kindertagen gepflegte Leidenschaft für Musik neu entdeckt. Der begeisterte Pianist und Sänger fand im Dirigieren von Orchestern eine weitere Dimension des Musikschaffens, die ihn total faszinierte. Sein Dirigierstudium schloss er – trotz einiger Praktika auf renommierten Weingütern – mit Auszeichnung ab. Zahlreiche Aufführungen – unter anderem mit dem Symphonie-Orchester St. Gallen – folgten. Brotlos waren seine Engagements zwar nicht, der „Brotberuf“ als Weingutsleiter am Freigut Thallern war dennoch hochwillkommen.

Mit den Umstrukturierungen der familiären Unternehmungen in der Steiermark, die auch einen Rückzug vom Freigut Thallern umfasste, entschied sich Erich Polz zu einer Rückkehr in die heimatliche Steiermark, wo er seit letztem Sommer das Team des familiären Weinguts dirigiert.

weingutpolz.at
Erich Polz jun. Porträt.jpg
»Wenn man große Weine keltern will, muss man sehr langfristig denken.«

Erich Polz jun.

WG_Polz_Korken.jpg

Konzentration auf das Vinifizieren von herausragenden Weinen aus den Top-Lagen der Region wie Grassnitzberg, Hochgrassnitzberg oder Obegg.

"Zurück zu alten Wurzeln und Reduzierung auf das Wesentliche".
WegweiserPolz.jpg

Schon jetzt wurde die Anbaufläche von 105 Hektar auf 85 Hektar verkleinert, in naher Zukunft sollen etwas weniger als 80 Hektar bewirtschaftet werden – und diese ausschließlich biologisch-organisch.

Polz_SB_Gebietswein Kopie.jpg
Polz_SB_Ortswein_Ehrenhausen Kopie.jpg
Polz_SB_Riedenwein_GSTK_Hochgrassnitzberg.jpg
POLZBLITZ
kastenpolzblitz.jpg

Viele Jahre lang wurde auch das Weingut Tscheppe am Pössnitzberg bewirtschaftet und die Tscheppe-Weine quasi als „Zweitmarke“ vertrieben. Damit ist jetzt Schluss. Alle DAC-Weine werden in Zukunft ausschließlich als Polz-Weine gekeltert.

Dafür hat man mit dem „Polzblitz“ eine eigenständige neue Weinlinie ins Leben gerufen, mit der man im Lebensmittelhandel wie auch in jungen, trendigen Szene-Lokalen reüssieren will. Neben Sauvignon Blanc und Chardonnay gibt es den Polzblitz auch als Weißburgunder, Welschriesling und Gelben Muskateller.

Kontakt