DIE GRIECHEN IN WIEN

Die Beziehung zwischen Österreich und Griechenland geht tiefer und ist ernsthafter, als es auf den ersten Blick erscheint.
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Im Sokrates auf der Wiener Donauinsel kommt im Sommer richtiges Griechenland-Feeling auf.
Foto: Otto Michael

Nein, im Griechenbeisl gibt es kein Souvlaki. Hier isst man Wiener Schnitzel und Co. Und doch ist das Griechenbeisl ein historisches
Lokal, das die jahrhundertealte Beziehung zwischen Wien und Griechenland symbolisiert. Hier traf sich die heimische Prominenz des 17. und 18. Jahrhunderts, um mit den zahlreichen Exil-Griechen, die in Wien heimisch geworden waren, anzustoßen. Es waren vor allem wohlhabende Handelsfamilien, die vor den zunehmenden Repressalien des Osmanischen Reichs geflüchtet waren und in Wien heimisch wurden. Die von Theophil von Hansen errichtete griechisch-orthodoxe Kirche, die gleich ums Eck liegt, wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Toleranzpatent von Joseph II. errichtet. Perfektioniert hat von Hansen, der auch die Wiener Börse, das Parlament, die Akademie der bildenden Künste und den Musikverein entworfen hatte, sein Handwerk übrigens während eines achtjährigen Aufenthalts in Athen.

Gutes Essen und Musik
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Das erste „richtige“ griechische Lokal der Stadt hat der vor zwei Jahren verstorbene Schlagersänger Georges Dimou in den 1970er-Jahren in der Girardigasse eröffnet.
Foto: Redaktion

Davor hatte der gebürtige Grieche ein paar Jahre lang die Splendid Bar in der Kärntner Straße geführt, wo er Weltstars wie Kirk Douglas, Ava Gardner und Omar Sharif zu informellen Gastauftritten überredete. Auch in Dimous Schwarzer Katze ging es nicht primär ums Essen, sondern immer auch um musikalische Unterhaltung.

Das älteste noch bestehende griechische Lokal der Stadt ist das Sokrates in der Wiedner Hauptstraße, das Nikolaos Melanidis vor knapp vierzig Jahren eröffnet hat. Das kulinarische Konzept – frischer Fisch vom Holzkohlengrill – ist bis heute unverändert. Doch im Keller ist es mittlerweile ruhig geworden. Dort wurde so wie in Dimous Schwarzer Katze ausgelassen musiziert und getanzt. Bis zu hundert Gäste haben an den Wochenenden im Keller des Sokrates das Leben gefeiert. „Das waren andere und irgendwie auch unbeschwertere Zeiten. Es wurde geraucht und auch viel mehr getrunken. Und zu später Stunde wurde auf den Tischen getanzt“, erinnert sich Melanidis ein wenig wehmütig. Vor über zwanzig Jahren hat Melanidis ein zweites Sokrates auf der Wiener Donauinsel eröffnet, wo im Sommer richtiges Griechenland-Feeling aufkommt. Das gilt übrigens auch für das andere Ufer der neuen Donau, wo es mit dem Rembetiko einen weiteren Griechen mit Sommerflair gibt.

Elegant in der City

Ebenfalls in Wien „picken geblieben“ ist Lefteris Dermitzakis, der – so wie Dimou und Melanidis – eigentlich nur ein paar Wochen bleiben wollte. Nachdem er privat anfing, Wurzeln zu schlagen, übernahm er das Orpheus in der Spiegelgasse und machte aus dem ursprünglich sehr einfachen Lokal ein elegantes Cityrestaurant, das er mittlerweile einem langjährigen Mitarbeiter übergeben hat. Selbst führt er noch das Ellas am Judenplatz, das er vor mittlerweile 14 Jahren als modernes Zweitlokal gegründet hat. Fischernetze
oder Seesterne sucht man hier vergeblich. Ein kleiner Olivenhain vor dem Lokal versprüht dennoch mediterranes Sommerfeeling. Griechisch ist vor allem die Weinkarte gehalten, der man sich ruhigen Gewissens anvertrauen kann.

Authentisch in der Vorstadt

Weniger nobel gelegen ist das Kafeneon gleich neben dem Brunnenmarkt. Auch dort gibt es ein absolut bemerkenswertes Weinangebot und eine authentische griechische Küche jenseits aller Klischees. „Wir grillen nicht, wir kochen“, erklärt der Patron Dimitris Papaoikonomou stolz. Schließlich besteht Griechenland nicht nur aus Urlaubsinseln. Auch der gebirgige Ausläufer des Balkans mit seiner ganz eigenen kulinarischen Tradition gehört dazu.

Unter dem Motto „Hellenic Fine Dining“ soll in den nächsten Tagen „Der Grieche“ in der Barnabitengasse seine Pforten öffnen. Ältere Semester werden sich noch daran erinnern können, dass es hier schon einmal ein legendäres griechisches Lokal gleichen Namens gab. Die vergangenen neun Jahre war „Der Grieche“ jedoch geschlossen. Günstige Tavernenküche soll es mittags eben, am Abend will man Gäste mit anspruchsvollen Menüs der modernen griechischen Küche begeistern.

„Nur“ ein halber Grieche ist Fünf-Hauben-Koch Konstantin Filippou, schließlich ist seine Mutter eine Österreicherin. Der Heimat seines Vaters fühlt er sich dennoch emotional und auch kulinarisch verbunden. In seinem Zweitlokal O’Boufés findet man schon seit längerem immer wieder griechisch inspirierte Gerichte auf der Karte. Den Lockdown nutzte Filippou, um ein Angebot von selbstproduzierter „High-End-Convenience“ zu entwickeln, mit der man sich griechische Gerichte auch zu Hause auf den Tisch zaubern kann. Auch selbst importierte Spezialitäten (Wein, Olivenöl, Konserven etc.) wird es geben. Und wer weiß. Vielleicht entsteht ja auch ein griechisches Lokalkonzept daraus.

Die Lust der Österreicher auf griechische Küche ist jedenfalls erstaunlich hoch.

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Vor über zwanzig Jahren hat Nikolaos Melanidis ein zweites Sokrates auf der Wiener Donauinsel eröffnet.

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Das älteste griechische Lokal der Stadt ist sein Sokrates in der Wiedner Hauptstraße, das schon knapp vierzig Jahren seine Gäste verwöhnt.

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Lefteris Dermitzakis führt das Ellas am Judenplatz, das er vor mittlerweile 14 Jahren als modernes Zweitlokal gegründet hat.

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„Wir grillen nicht, wir kochen“, erklärt uns der Patron des Kafeneon, gleich neben dem Brunnenmarkt in Ottakring, Dimitris Papaoikonomou stolz.

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Vor sechs Jahren hat Panagiotis Favvas gemeinsam mit seiner Frau Barbara sein Spezialitätengeschäft in der Nussdorfer Straße aufgesperrt. Gekocht wird tagsüber in kleinem Rahmen für bis zu acht Personen, im Vordergrund steht jedoch der Handel mit griechischen Spezialitäten, die allesamt selbst importiert werden.

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